Allgemeines
> Deutscher Islam
> Mohammed
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Der Koran
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5 Säulen des Islam
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Recht
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Toleranz
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Christentum
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Islamophobie, Islamkritik
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Literatur
> Islamkundeunterricht
> Kopfbedeckungen
In Deutschland
leben etwa 4 Millionen Muslime, 45% haben die deutsche Staatsangehörigkeit,
36% sehen sich als "streng
religiös", 70% der Musliminnen tragen kein Kopftuch (Bundesamt
für
Migration 2009). Insgesamt hat die Religiosität unter Migrationsbedingungen
zugenommen, auch wenn der Islamin Deutschland kaum handlungsfähige
gesellschaftliche oder gar politische Strukturen entwickelt hat. Diese
Religiosität verbindet sich aber mit einer plralistischen Einstellung.
Nach dem "Religionsmonitor" der Bertelsmann-Stiftung sind 86%
für
eine ogfene, plurale Einstellung gegenüber anderen Religionen, lehnen
65% eine islamische Partei ab. Nur 16% sehen sich politisch durch ihren
Glauben geprägt. Nur für 6% ist Gewalt diskutabel, etwa 10%
haben keine demokratische Einstellung (Bertelsmann-Stiftung
2008). Der immer wieder - öffentlich
wie privat - befürchtete gewalttätige radikale Islam ist in
Deutschland keine Realität.
Der
Islam ist die zweitgrößte
Religionsgemeinschaft. Islam bedeutet
im Koran 'Hingabe an Gott', und das ist es, was den Muslim auszeichnet.
Weltweit wird die Zahl der Muslime auf etwa 1,1 Mrd. geschätzt.
Etwa 4 Millionen Muslime leben in Deutschland.
Die Grundsätze
der Weltreligion Islam ermöglichen ein ebenso friedliches und tolerantes
gesellschaftliches Miteinander wie die Prinzipien des Christentums. Vorurteile,
Islamophobie haben sich aber - insbesondere seit September 2001 - ausgebreitet
und wurden politisch zu selten entschieden bekämpft. Die Diskussion
um den Beitritt der EU wird manchmal als Frage eines Beitritts einer
morgenländisch-muslimischen zur christlich-abendländischen
Wertegemeinschaft behandelt und bewegt sich damit auf irrationalen Gleisen,
zumal alles andere als klar ist, welche christlichen Werte derzeit in
Europa geteilt werden und wie sie ggf. die europäische Politik bestimmen.
Hängt man der guten alten Aufklärung an, die ja gerade in Europa
eine Säkularisierung gebracht hat, muss man die Problematik argumentativ
angehen und sicher stellen, dass die betreffenden religiösen Systeme
hinreichend bekannt sind und verstanden werden, dann müssen Toleranz
und Wahrung der Menschenrechte Aller ins Zentrum gerückt werden
und schließlich die Forderung nach gleichen Rechten. Dies ist nicht
damit zu erledigen, dass in einigen islamischen Staaten u.a. gegenüber
Christen keine Toleranz herrscht, das kennen wir schließlich auch
aus christlich geprägten Gesellschaften, vor allem aber rechtfertigt
es keine Diskriminierung in einem anderen Land.
Der Koran
Der Islam ist
eine strikt monotheistische (auch gegenüber
christlicher Dreifaltigkeits-/ Trinitätslehre) Buchreligion, die
sich auf den Koran (arab. qur'ān; Verb: qara'a 'lesen
und vorlesen'; der Koran ist auch resultativ als die 'Lesung', das Rezitierte'
zu verstehen) stützt, also nicht nur Buch Gottes (kitāb
Allāh).
Der Koran wurde nach islamischer Auffassung Mohammed unmittelbar
und wörtlich von Gott / Allāh (< al-ilāh 'der-Gott',
Gattungsname + Eigenname) geoffenbart. Er ist damit Urkunde göttlicher
Botschaft, unhinterfragbare Entscheidungs-Autorität in rechtlichen
Fragen der Gemeinde. Er repräsentiert naturgemäß ein älteres
Arabisch, das aber auch gegenwärtig denen verständlich ist,
die mit diesem Werk zu leben, es zu deuten gewohnt sind. Gleichwohl gibt
es erhebliche Interpretationsprobleme, denen eine reiche Kommentarliteratur,
aber auch grammatische Literatur, zu begegnen sucht. Denn seine Geltung
hat der Koran für Muslime allein
in der arabischen Originalfassung (anders ist es mit Übersetzungen
der Bibel im Christentum). Die poetische Schönheit ist mit Metaphern,
Metonymien, Anspielungen, aber auch mit dem Reimprinzip (im Deutschen nachgebildet
durch Friedrich Rückert), zu erklären. Der Rhythmus ist unregelmäßig.
(Näheres zur Form: Bobzin 2004). Der Korean ist nicht zur linearen
Lektüre, sondern zum Vortrag gedacht. Die Abfolge der Suren ist eher
willkürlich (nach der Länge). Die Schrift will als ganze gedeutet
sein. (Neuansatz zur Exegese: Pohlmann 2012)
Gott/ Allāh ist ein einziger, er schuf
die Welt - sieben Erden, sieben Himmel - in sechs Tagen und erschafft
weiter alles, was ist. Adam wurde aus Erde geformt und Gott
hauchte ihm den Atem des Lebens ein. Die
Schöpfung
mit dem Menschen an der Spitze ist ein Wunderwerk Gottes. Gott schuf
auch Engel (malā'ika)
und böse Dämonen (shāytane), die Menschen zum
Bösen verführen können sowie Geister
der Erde (djin)
aus Feuer. Es wird ein Jüngstes Gericht erwartet, an dem Gott gemäß dem
Buch der Taten, nach ihrer Abwägung richtet, dazu kommen die Menschen
aus den Gräbern. Und die
Bösen, die Teufel
kommen in die Hölle, die Guten ins Paradies.
Der Urvater des Islam
als monotheistischer Religion ist Abraham, auf ihn folgte nach
Noah, Mose, Ismael u.a als Prophet (nabi) und Gesandter Gottes (rasūl)
Jesus, der Sohn Marias (Isā ibn Maryam), der von der Jungfrau
geboren wurde, nicht Gott sein wollte, nicht die Sünden
der Menschheit auf sich nahm, nicht am Kreuz starb (ein "ähnlicher"
sei getötet worden sagt Sure 4,157),
sondern am Ende von Gott zu sich erhoben wurde.
Mohammed (arab.
Muhammād) (*570 in Mekka; gest. 632 in Medina)
Der letzte und
entscheidende Prophet ist Mohammed. Er wurde der Verkünder
des Islam, nachdem er im Alter von 40 Jahren, als erfolgreicher und erfahrener
Kaufmann tiefe, erschütternde Visionen hatte, die
ihn zum Propheten in einer ungläubigen bzw. polytheistischen Umwelt
(Mekka) machten. Er warnte vor dem Zorn Gottes
un verkündet den Glauben an den einen, einzigen Gott. In Mekka hörte
man nicht auf ihn, verfolgte später ihn und seine Anhänger,
die schließlich nach Medina gingen. Hier waren sie erfolgreicher
und setzten sich später in Kämpfen gegen die Mekkaner durch,
deren Heiligtum von heidnischen Göttern befreit wurde und als Orientierungszentrum
der Muslime Jerusalem ablöste. Es folgten Kämpfen
mit jüdischen und christlichen Gruppen in Medina. 632 - in seinem
Todesjahr - unternahm Mohammed die erste Wallfahrt nach Mekka.
Charakteristika des Islam
Die
5 Säulen
des Islam
I. Das Glaubensbekenntnis (Es
gibt keinen Gott außer Gott, Mohammed ist sein Prophet...)
II. Das Gebet, und
zwar das rituelle, das man - so man gesund, nicht auf Reisen, rituell
rein, gen Mekka gewendet ist - fünfmal täglich betet
(salāt), und das persönliche Gebet (du'āt').
III. Die
Pilgerfahrt nach Mekka (hādsch),
einmal im Leben in dem vorgeschriebenen Monat (falls wirtschaftlich
möglich), sie führt zum Heiligtum Kaaba(> Bilder)
im Innenhof der großen Moschee in Mekka, die siebenmal
gegen den Uhrzeigersinn umrundet wird
IV. Das Fasten im
Ramadan (Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang
im 9.
Monat des islam. Jahres, die 1. Mahlzeit am Abend ist meist ein
gemeinschaftl. Ereignis). Es gilt für
Erwachsene (nicht für
Alte und Kranke).
Das Fest des Fastenbrechens (Id al-Fitr) - auch: Zuckerfest (Şeker
Bayramı) - feiern Muslime in den ersten drei Tagen des
Folgemonats . Es ist eines der beiden Hauptfeste des Islam.
V. Die Abgabe an die Gemeinde (zakāt),
eine Art Steuer, sie wird u.a. für die Armen der Geminde, für
wohltätige Zwecke verwendet.
|
Zur islamischen Gemeinschaft (umma) gehört
das islamische Recht (scharīa), in dem sich Gottes Ordnung
für seinen "Gehilfen", den Menschen, zeigt (detallierter
Gesamtüberblick:
Rohe 2009).
Der zur Verantwortung Fähige
ist Pflichten und Rechten gegenüber Gott und
den Mitgeschöpfen unterworfen,
die Mohammed geoffenbart wurden und bis zum Jüngsten Gericht gelten.
An ihnen bewährt
sich der Mensch und wird entsprechend im Diesseits und im Jenseits Lohn
oder Strafe erhalten. Religiöses und weltliches Recht sind nicht geschieden,
was in modernen Gesellschaften zum Konflikt führt. Neben den Pflichten
wie Fasten gibt es löbliche und erlaubte Handlungen, dann auch zahlreiche
Verbote, die z.T. noch an altarabische Verhältnisse erinnern.
Zum einen haben Frauen gleichen Anspruch wie Männer (Sure 2,228),
zum anderen ist der Mann durch seine Pflichten und Verantwortlichkeiten übergeordnet
und darf u.a. auch eine Nicht-Muslima heiraten, was umgekehrt nicht statthaft
ist, weil Glaubensabfall (Apostasie) - ein schlimmes Vergehen - droht.
Der Koran bezeichnet als Strafe für den Abfall vom Glauben Gottes Zorn
und Höllenqualen; islamische Rechtsgelehrte wenden aber auch Stellen
gegen die "Heuchler" an, die man fangen und töten solle. Von
Mohammed ist der Ausspruch überliefert: »Wer seine Religion wechselt, den
tötet!«. Der Abfall muss eindeutig bezeugt sein (Taten gegen die Religion,
den Koran verächtlich machen etc.).
Der Islam hat die Position der Frau
stark verbessert, aber die Gleichheit ist noch nicht in den koranischen
interpretationsgemeinschaft und im Alltag durchgesetzt. Die ursprünglich
oft drastischen Strafen, etwa bei Diebstahl, sind Gegenstandvon Interpretationsdiskussionen
und in vielen Gesellschaften den Mildegeboten des Koran entsprechend
neuzeitlichen Standards angenähert
worden.
Das islamische Recht hat (wie das frühe Christentum)
ein Zins- und sogar ein Spekulationsverbot.
Das islamische Recht ist stark bestimmt durch die Übertragung
von Fällen (ausgehend von Lösungen Mohammeds oder seiner Gefährten
und Nachfolger) auf neue durch Analogieschluss (quiyās);
Ähnliche Sachverhalte müssen in ihren Eigenschaften gleich sein.
Zu den Analogieschlüssen
gehörte
n. A-Jabri 2009 im Osten, etwa auch in der Schia, eine gnostische
Form die mystisch vom Sichtbaren auf das Unsichtbare, rein Geistige schließt
und von ihm als problematisch gesehen wird. In
nordafrikanisch-spanischen Islam-Traditionen (etwa bei den Mauren) zeigte
sich besonders stark der Einfluss aristotelischer Logik, in der Analogieschlüsse
rationaler Art (Al-Jabri
2009). Analogieschlüsse
werden als nicht zwingende in westlichen Rechtstraditionen eher
kritisch beurteilt; auch der islamische Jurist Muhammad ibn Idris al-Shafi'i
(767-820) plädierte für eine methodisch präzisere
Anwendung (vgl. Khoury/ Hagemann/ Heine 2006: 3,674).
"Die Analogie führt dadurch zur Feststellung
der anzuwendenden Rechtsnorm, daß sie in den Grundlagen des
Gesetzes Vorschriften oder Entscheidungen ausfindig macht, die
eine Ähnlichkeit
mit dem vorliegenden Fall aufweisen und dadurch ihre Anwendbarkeit
im vorliegenden Fall rechtfertigen. Die als Berechtigung der Analogie
geltende Ähnlichkeit
liegt im allgemeinen in der Begründung der früher getroffenen
Entscheidung. So verbietet der Koran den Weingenuß wegen
seiner berauschenden Wirkung. In Analogie damit verbietet das islamische
Gesetz jede Sorte von alkoholischen Getränken, denn diese
sind, wie der Wein, berauschende Getränke."
(Khoury/Hagemann/Heine 2006: 3,639)
Interessant sind auch die Ausführungen von Al-Jabri
2009 zur Rolle der Tradition und zur Textauslegung, der in gewisser Hinsicht
an die Tradition von Averroes anknüpft.
Die Richtung der Schiiten, zu der ca. 20% der
Muslime (bes. Iran, Irak, Aserbaidschan) gehört, sieht die entscheidende
Rechtsquelle in einem der Nachfahren 'Alīs - der Schwiegersohn und
Vetter Mohammeds wird als Erster Imam betrachtet - aus der Ehe mit Mohammeds
Tochter Fātima. Die Sunniten, die größte Richtung
des Islam, hatten ein Kalifat, keine Imame, als Leitung. Sie orientieren
sich an der Sunna ('Herkunft, Brauch, Sitte'), in der sich Leben,
Aussprüche und Lehren Mohammeds finden.
Der Islam hat auch eine mystische Tradition, die von den Sufis verkörpert
wird. Die Ordensbrüder waren die Derwische. Die Mystiker
propagieren die Liebe zwischen Gott und den Menschen, Armut und Askese.
Jesus wird als Prophet der Liebe verehrt. Zur Mystik vgl. Schimmel 2009.
Der Dschihād / ğihād ('Kampf,
gezielter Einsatz, Engagement')
ist mit "Heiliger Krieg" schräg übersetzt. Er
bezog sich zunächst auf Kampf zur Verteidigung
der Muslime und muslimischer Länder, auch auf Erweiterung des Territoriums,
und dann auch auf gezieltes Engagement, Eifer für die rechte Sache.
Der Koran enthält Passagen, die - wenn man sie nicht historisch
("Sitz im Leben") deutet, was man tun muss - auf einen Krieg
gegen Ungläubige
einzustellen vermögen, der ein Mittel sein soll, dem Unglauben zu
widerstehen, den Polytheismus zu bekämpfen, den rechten Glauben
anzubahnen. Gekämpft
wird für den Glauben, die Einheit der Muslime, für das eigene
Leben. Einige Texte gehen auf die Zeit der frühen Kämpfe zwischen
Muslimen und Mekkanern im 7. Jahrhundert zurück.
"4,67: Diejenigen, die glauben,
kämpfen auf
dem Weg Gottes. Und diejenigen, die ungläubig sind, kämpfen
auf dem Weg der Götzen. So kämpft gegen die Freunde des Satans." (dt.
Khoury (2006:324))
Verträge sollen gelten und in Kommentaren wird gefordert,
Friendensangebote anzunehmen, Frauen, Kinder, Alte nicht zu bekämpfen,
also auf dem Weg Gottes zu kämpfen (2,190). Auch der Dschihād oder die
Verheißung des Paradieses für Märtyrer (überlieferte
Sprüche des Propheten)
gehen auf konkrete geschichtliche Konstellationen zurück und sind
nicht einfach auf politisches bzw. staatliches Handeln übertragbar
(Islamismus). Solche Übertragungen finden sich, wo der Islam als
Politische Religion gilt, Unterdrückung erfahren und in
religiösen Denkvorstellungen
bekämpft werden soll. Es bedarf dann kritischer Diskussion,
es bedarf einer Fortsetzung der Diskussion aufklärerischer Positionen
- die es im Islam auch immer gab - mit dem Akzent auf Menschenwürde,
Toleranz, Gleichheit etc., die es in der Konfrontation (wie in der Bush-Ära) natürlich
schwer hat. Wer
historisch gerecht sein will, muss auch die kriegerischen Verfehlungen
- insbesondere die Kreuzzüge
- von Christen im Blick behalten, die keineswegs der Botschaft des Neuen
Testaments entsprachen. Buchreligionen erlauben sich öfter freie Deutungen
ihrer heiligen Texte. Der Koran zeigt milde Gesinnung gerade gegenüber
den anderen "Buchbesitzern",
die sich auf Thora oder Bibel stützen.
Wenig bekannt ist die Friedenslehre des Koran gegenüber Feinden:
"8,61: Und wenn sie sich dem Frieden
zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und vertrau auf Gott.
4,90: Wenn sie sich von euch fern
halten und nicht gegen euch kämpfen und euch Frieden anbieten, dann erlaubt
euch Gott nicht, gegen sie vorzugehen." (dt.von A.Th. Khoury
(2006:324))
Das heute noch nicht unproblematische Verhältnis
Islam-moderner Verfassungsstaat beleuchtet Wick 2009. Eine umfassende
Darstellung des islamischen Rechts gibt Rode 2011.
Christentum aus islamischer Sicht
Es gibt viele Gemeinsamkeiten und Bezüge,
Abraham ist im Islam der Prophet, der für den Monotheismus, gegen
die Vielgötterei der Umwelt steht, zu nennen sind als Propheten
Noah und auch Jesus ('İsā),
der die jüdische Thora als heiliges Buch anerkannte wie der Koran
das Neue Testament. Jesus starb allerdings nicht am Kreuz. Nach Jesus
ist Mohammed der letzte, entscheidende Prophet, der auf den Glauben
des Abraham zurückgeht.
Islamophobie -
Islamkritik
scheint heute leider viele Darstellungen der Medien (inkl. sonst seriöse
Zeitungen) zu
leiten, illustriert durch Bilder bärtiger Männer und stark
verschleierter Frauen. Sie sollen symbolisieren, dass der Islam nicht
in der Neuzeit angekommen ist, archaischen Regeln folgt, noch Blutrache und
kriegerischen Dschihād kennt etc. Wenige Einzeltäter, deren
Zugehörigkeit
zum islamischen Kulturkreis als besonderes Merkmal hervorgehoben wird
(nennen wir bei Verbrechen hierzulande Täter als Angehörige
christlicher Kultur?), dürfen den Blick auf eine der großen
Weltreligionen nicht verstellen, deren überwältigende
Mehrheit friedlich lebt, die an den modernen Wissenschaften erheblichen
Anteil hat, denken wir an wichtige Beobachtungen in der Astronomie,
die Entdeckung des
Algorithmus, die Begründung
der Trigonometrie, die Erkenntnisse in der Optik, die Meisterhaftes
in Dichtung, Musik, Architektur hervorgebracht hat. Dafür mag
eine Persönlichkeit wie Umar Khayyām aus Samarkand (Mittelasien)
(1048-1123) stehen, der Astronom, Mathematiker, Philosoph und Dichter
war. Oder der bedeutende Mediziner, Philosoph, Theologe, Astronom Avicenna
(Ibn
Sinā) (980-1037). Er bevorzugte in der Medizin induktive
Schlüsse und erforschte die Psychosomatik,
erweiterte den Syllogismus des Aristoteles um Quantoren wie manchmal,
gehört zu den Begründern eines aristotelischen utopischen
Materialismus, dem zufolge in der Materie die Möglichkeiten enthalten
sind und kreativ herausdrängen: Materie und Mensch sind noch im
Werden.
Kriegerischer Islamismus, Selbstmordattentate, Todesdrohungen gegen Abtrünnige
widersprechen den islamischen Grundprinzipien.
Öfter spielt in Islamdiskussionen die Taqīya (arab.
,Furcht, Vorsicht‘) eine Rolle, derzufolge man seine
Glaubensidentität verleugnen dürfe, wenn es taktisch geboten
sei. Daraus wird abgeleitet, Muslime würden sich generell taktisch
verstellen. Tatsächlich bezeichnet
Taqiya im Islam die Möglichkeit in einer Gefahrensituation
(Lebensgefahr, äußerster
Zwang) den eigenen Glauben nicht zu offenbarenn und dann auch den religiösen
Pflichten zeitweise nicht nachzukommen.
"Diejenigen, die an Gott nicht glauben, nachdem sie
gläubig waren – außer wenn einer (äußerlich zum Unglauben) gezwungen
wird, während sein Herz (endgültig) im Glauben Ruhe gefunden hat, – nein,
diejenigen, die (frei und ungezwungen) dem Unglauben in sich Raum geben,
über die kommt Gottes Zorn (w. Zorn von Gott), und sie haben (dereinst)
eine gewaltige Strafe zu erwarten." (Koran, Sure 16, 196 (Paret))
Religiöse Toleranz
Es gab eine historische Epoche (etwa 750-1492), in der in Spanien unter
maurischer Herrschaft ein Höchstmaß an Toleranz zwischen
den Religionen Islam, Christentum, Judentum herrscht und Wissenschaften
und Künste gediehen. Eine Philosophie der Vernunft, vielfach
auf Aristoteles zurückgehend, bestimmte den Dialog. Eindrucksvolle
Zeugnisse dieser Zeit sind die philosophischen Werke des
Universalgelehrten Averroes (Ibn
Rushid) (1126-1198), dessen stark
logikbasierte Aristoteles-Kommentare das europäische Mittelalter
und die Scholastik geprägt
haben. Seine Sicht des Koran bezieht die Vernunft ein. Averroes wurde
nach Marokko (Marrakesch) verbannt, wo er starb. Zeugnisse dieser fruchtbaren
Zeit für West-Islam, Christentum und Judentum sind in Córdoba,
Granada, Sevilla zu bestaunen.
Zu
erinnern ist auch an das II. Vatikanische Konzil, das unter Gottes
"Heilswillen" auch die Muslime fasst, die ebenfalls den Schöpfergott
anerkennen wie auch den Glauben Abrahams an den einen barmherzigen
Gott teilen (vgl. Constitutio Dogmatica de Ecclesia (Lumen Gentium),
16). Im Koran heißt
es:
29,46: "Und streitet
mit den Leuten der Schrift nie anders als auf eine möglichst gute Art
(...) - mit Ausnahme deren von ihnen, die Frevler sind! Und sagt: 'Wir
glauben an das, was (als Offenbarung) zu dir hinabgesandt. Unser und
euer Gott ist einer. Ihm sind wir ergeben.'" (dt. von R.
Paret, 2004:280)
Wer islamische Länder bereist,
wird überwältigt sein von der Gastfreundschaft. Er kann sie
als praktisches Beispiel des adab sehen,
einer Form des (ursprünglich höfischen) akzeptierenden, ausgleichenden,
Konflikt vermeidenden Verhaltens, das zu den normativen Idealen
des Islam gehört (vgl. Heine 2001:157f.).
> Sure 24 (Das Licht)
Hier sind nur erste Hinweise möglich;
es gibt ausgezeichnete Arbeiten zum Thema, die gleichwohl eine kritische
Lektüre erfordern; ein ausgewogenes Bild erfordert es, immer auch
muslimische Sichtweisen heranzuziehen. Die Arbeiten von Adel Theodore
Khoury, bei dem ich studiert habe, seien besonders empfohlen.
Literaturauswahl
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Islam
im Westen
Interview
mit dem Theologen und Menschenrechtler Heiner Bielefeldt (2009)
Interview
mit dem Islamwissenschaftler Peter Heine zu "Islam und Gewalt" (2010)
Interview
mit Medienwissenschaftlerin Schiffer über Islamophobie
Zum schulischen Islamkundeunterricht
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Bartsch (2009) Konzepte und Modelle zur Vermittlung der Lehrinhalte im
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Viele Titel – ein Fach? Bielefeld: transcript
B. Ucar/Yasar Sarikaya
(Hg.) (2009) Entwicklung der modernen Islamischen Religionspädagogik in der Türkei
im 20. Jahrhundert. Hamburg: Dr. Kovac
Leben in Deutschland
H. Sezgin (Hg.)(2011) Manifest der
Vielen: Deutschland erfindet sich neu. Berlin: Blumenbar
Muslimische
Stimmen
Islam.de
Die
Prediger des Islam (Rauf Ceylan)
Infos
Islamkunde NRW (pdf)
Institut
für Arabistik und Islamwissenschaft der Univ. Münster
Religion
des Islam Univ. Münster
Studiengang
Islamische Religionspädagogik Univ. Osnabrück
Islam
und Ökologie (Telepolis-Artikel)
Deutsche
Gerichte wenden Scharia an

|
Das
Prinzip des Mitgefühls liegt allen Religionen, ethischen und spirituellen
Traditionen zugrunde und ruft uns auf, immer alle anderen so zu behandeln,
wie wir selbst behandelt zu werden wünschen.
(Karen Armstrong, Charta des
Mitgefühls)

Ibn Tulun Moschee Kairo (876-879)

Die Sultan-Ahmed-Moschee
("Blaue Moschee")
(Sultanahmet Cami) in Istanbul wurde
1609-1616 gebaut
unter Sutlan Ahmet I. (Baumeister: Mehmed Aǧa)
und hat 6 Minarette; sie ist eines der
bedeutendsten
Bauwerke des Islam.

Gebetsnische (Mihrab), Kanzel
(Minbar)

Kuppel

Die Süleymaniye Cami in (Istanbul
(unter Sultan Süleyman vom
berühmten Baumeister Sinan 1550-1557 erbaut) gilt als
eines der
schönsten
Bauwerke des Islam

Die Große Moschee (Ulu Cami) stammt aus dem 15.
Jahrhundert.
Neben der besonderen Brunnenanlage, die zum rituellen
Waschen
vor dem Beten dient, sind die vielen Handschriften / Kalligraphien
an den Wänden bemerkenswert. Handschriften
wurden wegen
des Bilderverbots zu eigenen ästhetischen
Formen
(Kunst und Gottesverehrung).

Alcázar von Sevilla (ab 913 unter
Al Rahman II., vom kastilischen König Pedro I. (1334-1369)
als Palast (Mudejarenstil) umgebaut.

Córdoba: Moschee / Mezquita de Córdoba
(785 gebaut von Abd ar-Rahman I.), drittgrößte Moschee der
Welt. 1236, nach der Reconquista, wurde sie christlich geweiht und 1523
eine christliche Kirche in die Säulenreihen hineingemauert (Bild).

Bosporus Dämmerung
Kopfbedeckungen
oder: Mann und Frau
1 Korinther 11,
3ff. schreibt Paulus: " (3) Doch sollt ihr dies wissen: Das
Haupt jedes Mannes ist Christus; das Haupt der Frau ist ihr Mann;
das Haupt Christi aber ist Gott. (4) Darum schändet
jeder Manns sein Haupt, wenn er beim Beten oder bei der prohetischen
Rede eine Kopfbedeckung trägt. (5) Jede Frau dagegen, die
unverschleierten Hauptes betet oder als Proheptin spricht, schändet
ihr Haupt,
macht seinen Kopf zuschanden. (...) (7) Der Mann aber darf sein Haupt
nicht verhüllen, ist er doch ABBILD und Abglanz GOTTES! Doch die
Frau ist Abglanz des Mannes. (8) Denn nicht stammt der Mann aus der
Frau, sondern die frau aus dem Mann, (9) Der Mann ist ja auch nicht
um der Frau willen geschaffen worden, sondern die frau um des Mannes
willen. (10) Darum muss die Frau einen Kopfschleier tragen, als (schützende)
Macht wegen der Engel."
(dt. Ulrich Wilckens) Griechische Frauen waren, anders als jüdischen,
damals unverschleiert; daraus entstanden für die Judenchristen
ein Problem, auf das Paulus in dieser Weise mit seiner heute schwer
nachvollziehbaren Argumentation reagierte. Wer heute unreflektiert
die christlich-jüdischen Traditionen, in denen Deutschalnd stehe,
hervorhebt und ihnen genüber den Islam abwertet, sollte sich mit
allen Traditionen und ihrer Geschichte vertraut machen, um zu einem
ausgewogeneren Urteil zu kommen.
Wandel
Vor 50 Jahren trugen auch hier (besonders auf dem Lande)
Frauen Kopftuch, trugen Frauen in der Kirche Kopfbedeckung (meist Kopftücher),
saßen in der Kirche Männer und Frauen getrennt...
Heute
ist noch immer heftiger Streit um das Kopftuch, weil manche
es als Symbol der Unterdrückung der Frau, des Islamismus sehen,
auf der Folie dessen, was Frauen in unserer Gesellschaft heute tun.
Andere sehen darin eine freie, religiös begründete Entscheidung.
Manche Länder verbieten Lehrerinnen das Tragen des Tuchs, während
sie christlichen Nonnen ihren Ornat auch in der Schule gestatten.
Was ist Freiheit? Kann man gelassen mit Kopftüchern umgehen?
Braucht man das Kopftuch zur Abgrenzung des eigenen gegenüber
dem Fremden? |
| "Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland.
Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere
christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen
auch zu Deutschland." (Bundespräsident Christian Wulff,
20. Jahrestag der Einheit, 2010) |

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