▶ Mehrsprachigkeit und Bilingualismus
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Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit ist weltweit gesehen der Normalfall. Besondere Sprachenvielfalt haben Indien, Afrika, der Kaukasus, Neuguinea zu bieten. Esist ohne Weiteres möglich, als Kind mehrere Sprachen zu lernen. Der Erwerb von
mehr als einer Sprache führt zu einem
bestimmten Typ der Mehrsprachigkeit. Mehrsprachigkeit bezeichnet
den Fall, dass jemand sich in zwei oder mehr Sprachen verständigen
kann. Bilingualismus -
Zweisprachigkeit - ist der häufigste Typus. Die Muttersprache fasst man am besten als Sprache der Eltern. Sie wird in der Regel auch die Erstsprache des Kindes. Das ist aber nicht unbedingt so: Es kann sein, dass die Eltern die Umgebungssprache für so wichtig einschätzen oder also so dominant erleben, dass sie sie zur Familiensprache machen. Beispielsweise haben im norddeutschen Raum viele Eltern den niederdeutschen Dialekt aus Angst vor Schulproblemen nicht weitergegeben, die Kinder haben allenfalls eine passive und rudimentär aktive Kompetenz ausgebildet. Die Erstsprache wird oft auch die am besten beherrschte, die "stärkste" Sprache, mit der sich Wissenserwerb und Kategorienbildung verbinden und in der gedacht wird. Dafür muss sie lange genug entwickelt werden. Die erste Generation der Migranten kam mit der Perspektive der Rückkehr, so war es politisch gewollt, so wollten sie selbst es zum Teil. Vielfach gab es kaum Unterrichtsangebote, die Zweitsprache wurde rudimentär am Arbeitsplatz und in der Umgebung erworben. Sie reichte nur für das Nötigste und blieb stark formelhaft. Bei Vielen wurde sie auf einem bestimmten Erwerbsstand eingefroren, entwickelte sich nicht mehr weiter ("Fossilisierung") (Typ 3). Diese Gruppe war - etwa für Behördenkommunikation, Arztbesuch etc. - angewiesen auf professionelle oder private Vermittler. Kinder aus der eigenen Familie haben diese Rolle manchmal übernommen. Einige waren schon in der Erstsprache nicht alphabetisiert und benötigten in der Heimat Unterstützung für Briefe etc. Der Prozess des Erstspracherwerbs kann gestört werden, wenn die Umgebung, besonders die Schule, dem Kind eine Zweitsprache aufzwingt, ohne dass die Erstsprache bis zu einem guten Niveau und auf die Stufe der Schriftlichkeit weitergeführt wird (etwa im Rahmen eines geeigneten muttersprachlichen Unterrichts). Dann kann es passieren, dass die Erstsprache schwach wird und unter ungünstigen Bedingungen auch die Zweitsprache kein hohes Niveau erreicht (Typ 4). Das wird auch als "doppelte Halbsprachigkeit" bezeichnet; man sollte diesen Ausdruck meiden. Es geht schlicht um eine niedrigere Kompetenz in beiden Sprachen, die nahe an der Mündlichkeit bleibt, den grammatischen Kern aber nicht tangiert - es handelt sich nicht um pathologische Fälle -, sondern den Wortschatz und jene expliziten Formen, die für die Schriftlichkeit benötigt werden. Umgekehrt können
sich zwei Sprachen, die in Familie und Institutionen optimal gefördert
würden, gegenseitig stützen, d.h. ein differenziertes Sprachwissen
und Sprachbewusstsein zur Folge haben. Man erwirbt gewissermaßen
noch eine zweite Perspektive auf die Welt. Entwickelter Bilingualismus
ist für das Individuum auch intellektuell von Vorteil. Er verdient
Förderung. Mehrsprachigkeit bringt anderen Mehrsprachigen gegenüber Code-Switching (Sprachenwechsel auch innerhalb von Äußerungen) mit sich – eine ganz normale Erscheinung. Es bilden sich auch neue Varietäten, etwa in mulitiethnischen Stadtvierteln (Wiese 2012). Literaturhinweise: Weitere Literatur zum Zweitspracherwerb und Bilingualismus Literatur zum Erstspracherwerb Fragen zur Mehrsprachigkeit (FMKS)
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Sprachenvielfalt in Afrika. Nach dem Greenberg-Index markiert 1 maximale Verschiedenheit (2 Personen haben stets andere Erstsprache), 0 besagt, alle haben dieselbe Erstsprache. Quelle: Atlas der Globalisierung (2009), 142 Amtssprachen in Afrika. Deutlich: der Einfluss der Kolonialisierung.
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