Kommentar

Wovon soll die Migrationsdebatte, die eine Islamdebatte geworden ist, ablenken?

Von den Versäumnissen aus 30 Jahren Integrationspolitik? Dass seit Jahren mehr (und gut Ausgebildete) abwandern als zuwandern? Dass es in Integrationskursen viel zu wenig Plätze, aber hohe Nachfrage gibt? Dass Diskriminierte nicht nur stumme Opfer sind, sondern manchmal auch zurückschlagen?

Davon, dass für Bildung kein Geld bereit steht und die Unis und Schulen weiter verkommen?

Hartz IV-Problematik? Gruppen mit Schwierigkeiten gegeneinander ausspielen?

Schlechte Umfragen für Parteien?

Afghanistankrieg? Laufzeitverlängerung für AKWs? Raketenabwehr über Europa? ...

Davon, dass niemand klären kann, was "deutsche Kultur" - jenseits regionaler Subkulturen - sein könnte? Allenfalls das Grundgesetz könnte leiten, dann aber gäbe es die gegenwärtige Konfrontation nicht.

Für eine journalistische Ethik
Die Medien bezeichnen sich gern als "vierte Gewalt". Wenn sie das sein wollen, müssten sie eine Verantwortung der Gesellschaft und den menschen gegenüber wahrnehmen.
Sie dürften keine Diskussionen anzetteln, um Politikern Gelegenheit zu geben, Stammtischparolen auszugeben - auf Kosten von Minderheiten. Sie dürften nicht diskriminieren, schon gar nicht eine Weltreligion. Sie könnten sich nicht länger auf ministeriale Verlautbarungen oder gar die Parteizentralen oder Konzern-PR stützen. Sie müssten sich wieder gut informieren, auch wissenschaftliche Texte können nicht schaden, richtig recherchieren, statt aus dem Netz abzuschreiben...
Aber: darf der Journalismus das? Gibt es (noch) eine Ethik? Wo melden sich die zu Wort, die eine solche Ethik vertreten?

"Mist zu Gold": Hilal Sezgin resümiert in der taz die unselige Sarrazin und Co. Debatte des Jahres 2010. S. am Orde und T. Strothjohann machen sich Gedanken über die Sarrazin-Leser und kommentieren Sarrazins Statistiken auf der Basis von Erhebungen der Berliner Politologin Naika Foroutan, die im Netz stehen und lesenswert sind.
Zum Thema auch: Jakob Augstein, der in Spiegel-Online deutsche Sarrazin- und französische Hessel-Rezeption iuns Verhältnis setzt.

Zur Islamdebatte der Journalist Straub undBahners, Die Panikmacher (FAZ-Auszug)

Aktuelle Bücher:
Patrick Bahners  (2011) Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam. Eine Streitschrift. München: Beck
Hilal Sezgin (Hg.)(2011) Manifest der Vielen: Deutschland erfindet sich neu. Berlin: Blumenbar

 

 

 

 

 

                                                      

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Was du nicht selber weißt
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B. Brecht, Lob des Lernens



  Aktuelles aus der Welt der Sprache, Mehrsprachigkeit, Migration und Bildung

> Aktuelles von gestern

Letzte Bearbeitung: 09.02.2012

"Adaption des europäischen Kerncurriculums für inklusive Förderung der Bildungssprache Nordrhein-Westfalen (NRW), Bundesrepublik Deutschland"

Gutachten zur interkulturellen Elternbeteiligung der RAA

"Sprachförderung: Elternmacht bremst Integration" (Spiegel Online)

Eine neue Erhebung des Instituts für Migrations- und Politikforschung der Hacettepe-Universität Ankara sowie des Berliner Meinungsforschungsinstituts SEK-POL/Data4U zeigt: Viele türkischerstsprachige Migranten vertrauen nach der Nazi-Mordseire weniger auf den deutschen Staat und seine Ordnungsfunktion. Befragt wurden 1058 repräsentativ ausgewählte Einwanderer ab 15 Jahren. 55 Prozent der Befragten, "glauben, dass die Rechtsterroristen vom deutschen Staat beschützt oder gar gefördert wurden. Rund ein Drittel von ihnen ist sogar überzeugt, dass es "extreme" staatliche Unterstützung für die Zwickauer Neonazis gab. Nur etwa 21 Prozent glauben dagegen nicht an diese Unterstützung." (SPIEGEL Online)

Der "Zweite Integrationsindikatorenbericht" der Bundesregierung zeigt erhebliche Fortschritte bei der Integration:
Der Anteil der Personen ohne Schulabschluss ist in der zweiten Generation erheblich geringer (2010: 2,8 Prozent) als noch in der ersten Generation (5,7 Prozent) und entspricht fast der Gesamtbevölkerung (2,3 Prozent);
die Erwerbslosenquote bei Migrantinnen und Migranten sank von 18,1 Prozent (2005) auf 11,8 Prozent im Jahr 2010;
der Anteil von Einwandererkindern unter sechs Jahren, die eine Tagesbetreuung in Anspruch nehmen, hat zugenommen. Zwischen 2008 bis 2010 stieg die Betreuungsquote sogar um 34 Prozent an.

Wichtige Forderung: "Auch der öffentliche Dienst muss die Vielfalt unserer Gesellschaft abbilden. Wir benötigen mehr Beschäftigte mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst als Brückenbauer." Das gilt auch und gerade für die Schule.

Vergessene und übersehene Opfer
Die Wanderausstellung »Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland« des Vereins Opferperspektive e.V. ist vom 11. bis zum 28. Januar in Dortmund. Zu sehen dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr in der Dortmunder Petrikirche.
Warum Demokratie die Geisteswissenschaften braucht. Zu einem Vortrag von Martha Nussbaum und einer Anhörung: Die ZEIT
Es wäre eine Sensation: Raben scheinen Schnäbel gestisch zu verwenden, vergleichbar menschlichen Handgesten. So zeigen sie anderen Raben Objekte wie Steine oder Zweige, um sie zu orientieren. Das haben Simone Pika und Thomas Bugnyar an Vögeln einer Rabenkolonie im Cumberland Wildpark in Grünau, Österreich, herausgefunden.
"Zwangsverheiratungen": Wissenschaftler widersprechen der Darstellung durch Familienminsterin Schröder und geben eine Richtigstellung, die hoffentlich auch gelesen wird - wie die plakativen Berichte Anfang November 2011.

"Was jetzt zu tun ist. Vor-Ort-Initiativen gegen rechte Gewalt und Projekte zur Hilfe von Opfern fordern eine Umkehr in der Politik staatlicher Behörden gegen Rechtsradikalismus." (taz)

"Döner-Morde" Zur Ausgrenzung durch Sprache ein selbstkritischer Artikel in Spiegel-Online

Zur aktuellen Situation in der Türkei ein Artikel von Wendy Kristianasen in Le Monde Diplomatique
50 Jahre Migration aus der Türkei:
„Es war gut, dass Sie nach Deutschland und nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind. Dass NRW heute ein so starkes, lebendiges und vielfältiges Land ist, das ist auch Ihr Verdienst“ (Integrationsminister Guntram Schneider, NRW. am 14.10.11)

OECD Bildungsbereicht 2011: nach wie vor zu geringe Bildungsausgaben in Deutschland  (1995 noch 5,1 Prozent des BIP, 2008 nur noch 4,8 Prozent), zu wenig Hochschulabsolventen. Deutschland gehört im Vergleich zu den Schlusslichtern, wenig positive Trends. faz

Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden (größten jährliche Haushaltsbefragung in Europa) 2011 kommt beinahe die Hälfte (46%) aller Großstadtkinder in Deutschland aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte in den letzten Generationen. Auf dem Lande sind es 13%. Im Jahr 2010 waren es 31 Prozent.

1.9.2011: heute Sonderseiten der taz: 50 Jahre türkische Einwanderung
30.8.2011: Beginn des Fastenbrechens (Id ul-Fitr) nach Ende des Ramadan im Islam! Allen Muslimen herzlichen Glückwunsch zum Zuckerfest!
Neues zu Gehirnentwicklung und Zweitspracherwerb
Neu erschienen: Hoffmann/Leimbrink/Quasthoff (Hg.) Die Matrix der menschlichen  Entwicklung. Berlin/Boston: de Gruyter

Loriot, das Genie des Humors, tot: Das ist unglaublich, ein schrecklicher Verlust, auch für die Linguistik. Immerhin kommen Loriots Dialoge der Sprachwirklichkeit sehr nahe, enthalten Interjektionen ("ach was") und sind auch schon analysiert worden (das berühmte "Frühstücksei" z.B. von Rainer v. Kügelgen).

"Eine glückliche Ehe ist eine, in der sie ein bisschen blind und er ein bisschen taub ist." (Loriot)

Bericht über einen der ersten türkischen Arbeiter in Deutschland in Spiegel Online

22.6.1941: Beginn des Vernichtungskriegs Deutschlands gegen die Sowjetunion - Millionen Tote. Ein Erinnerungsdatum.

Naucz się polskiego: Zu polnischen Migranten und ihrer Integration schreibt Semler in der taz (16.6.), vgl.  auch dieser Artikel in  der taz. Wo wird eigentlich an deutschen Schulen Polnisch angeboten? Bestehende Abkommen (Nachbarschaftsvertrag) sehen das vor.
Noam Chomsky Superstar - FAZ-Artikel anlässlich einer Vortragsreihe von Chomsky in Köln
Die Dortmunderin Yasemin Şamdereli gewann mit ihrem Kinodebut "Almanya" den Deutschen Filmpreis in Silber. Mehr...
Nach einer Voksabstimmung (54%: Ja) im Kanton Zürich gilt: Schwyzerdütsch ist Unterrichtssprache in den Kindergärten.
Uni Bayreuth legt Abschlussbericht vor: "Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest, dass Herr Frhr. zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat." (S. 13)
Duden-Rechtschreibung online zugänglich!

Sarrazin darf in der SPD bleiben – hat er sich Buch geändert, seine Thesen? Kein Kommentar, nur eine Frage: Wie sieht die Migrationspolitik der SPD aus?

"Tatsächlich haben wir unsere Mitbürger dazu erzogen, auf den Islam herunterzuschauen" (Altkanzler Helmut Schmidt, ARD, 2.5.2011)

> Deutsch-Türkische Nachrichten

Khola Maryam Hübsch im FAZ-Net über Frauen im Islam

Wieder Islamkonferenz am 29.3.11 - noch auf gutem Wege? Es gibt Zweifel... taz, Spiegel, FAZ... der Innenminister hatte ja zuvor behauptret, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, die Muslime schon - nicht leicht zu verstehen...

Dazu und zum Journalismus die Glosse von Kübra Gümüsay in der taz.

Einen spannenden runden Tisch hat die taz bereitet: "Ein Streitgespräch zwischen Erika Steinbach, Naika Foroutan, Neco Celik und Thomas Brussig über Heimat, "Leitkultur" und die Schwierigkeit, als gleichberechtigter Bürger anerkannt zu werden."

Ausstellung: Orientalismus in Europa. Von Delacroix bis Kandinsky. Kunsthalle Hypo-Kulturstiftung, München, bis zum 1. Mai 2011. Dazu die Orientalismus-Diskussion, ausgehend von den Thesen von Edward Said nachlesen...
Schauen Sie doch mal ... in den Sprachblog von Anatol Stefanowitsch.
7,5 Millionen Analphabeten in Deutschland? Eine Hamburger Untersuchung mit 8000 Probanden lässt das schließen, berichtet die taz.

21. Februar: Tag der Muttersprachen (begründet von der UNESCO)

Er sensibilisiert für Minderheitensprachen, die öfter nicht als Schulsprache, Amtssprache oder Publikationssprache anerkannt sind, und dafür, dass viele Sprachen vom Aussterben bedroht sind. Dazu diese Links.

"Plagiat nennt man die gröbste Art von Okkupation, wozu Kühnheit und Unverschämtheit gehört..." (Goethe)


Quelle: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki [5.4.2011]

Es geht bei der Diskussion um Plagiatsvorwürfe für die Hochschulen nicht um Politik, sondern um die wissenschaftlichen Standards. Wissenschaft zielt auf neue Erkenntnis durch Forschung. Ihre Ergebnisse sind nur verlässlich, wenn man sich auf die Einhaltung methodischer Standards verlassen kann, wie sie in den Disziplinen ausgeprägt sind. Plagiate sind nicht erlaubt, werden sanktioniert. Es kann nicht mit unterschiedlichem Maß gemessen werden. Leider wird dies in der politischen Diskussion oft vergessen: Man fügt der Wissenschaft in Deutschland erheblichen Schaden zu, wenn für Prominente andere Standards gelten sollen, es sich um lässliche, unabsichtliche Fehler handelt.

Offener Brief von Doktoranden an die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel

Kann man sagen: Herr G. hat ein Buch geschrieben, aber er hat es nicht mit Absicht getan?

Leider ist die Universität Bayreuth bei der Aberkennung des Titels den leichten Weg - ohne Prüfung der Täuschungsabsicht - gegangen und hat sich damit möglicherweise geschadet. Die Bundeskazlerin, Dr. Angela Merkel, dazu: "Die Entscheidung der Uni Bayreuth liegt auf der Linie dessen, was der Verteidigungsminister vorgegeben hat. Sie macht daher Sinn." (FAZ, 25.2.2011)

"Der in Bayreuth lehrende Staatsrechtslehrer Oliver Lepsius sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Donnerstag: „Wir fühlen uns getäuscht. Wir sind einem Betrüger aufgesessen.“ Lepsius, seit 2002 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Allgemeine und Vergleichende Staatslehre, fügte mit Blick auf den Ruf der Fakultät hinzu: „Wir gehören zu den zehn besten rechtswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland.“ Verflechtung durch Spenden an Uni? Die Zeitung „Der Tagesspiegel“ berichtete, die Universität Bayreuth habe während der Promotion Guttenbergs Spenden von einem Unternehmen erhalten, in dessen Aufsichtsrat Guttenberg damals saß. Die Rhön Klinikum AG habe nach eigenen Angaben zwischen 1999 und 2006 für einen neuen Lehrstuhl an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät insgesamt 747.764,36 Euro überwiesen. Guttenberg saß von 1996 bis 2002 im Aufsichtsrat der Rhön Klinikum AG, seine Familie hielt dort ein Aktienpaket." (FAZ 25.2.2011)

Offener Brief der Münchner Wissenschaftler an den bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (Spiegel Online) Weitere kritische Stummen: Spiegel-Online

Kommentar von Gregor Walter-Drop in der FAZ..

Zur aktuellen Diskussion wird man die Rezension der Diss. von Guttenberg durch Andreas Fischer-Lescano für die "Kritische Justiz" und dies Wiki zur Kenntnis nehmen müssen: guttenplag. Aber: Es geht weniger um einen Einzelfall, sondern um die Grundlagen wissenschaftlichern Arbeitens.

> Wie man richtig studiert...

Erfolg für die Ägyptische Revolution: Rücktritt von Mubarak
Stellungnahme der Konferenz “Sprachlehrforschung und Pragmatik”, Universität Leipzig, 4.+5.2.2011, für die Demokratie-Bewegung in Ägypten

Revolutionen, Umbrüche, Debatten in der arabischen Welt: Hier ist ein Blick auf Al-Dschazīra / al-Ǧazīra oder Al Arabija interessant. In der ZEIT gab es Berichte aus dem Alltag der ägyptischern Revolution, darunter ein Text über den Linguisten Basem Schoiab.

Lektüretipp: Alaa al-Aswani (2007) Der Jakubijân-Bau. Basel: Lenos Verlag

Ute Andresen zur Verwirrung um die Ausgangsschrift in der taz.
Zur "Grundschrift" vgl. die Seite des Grundschulverbandes und diese Übersicht.

Braucht man für Zahlen und Mengen Wörter, eine Sprache? In dem Aufsatz "Number without a language model" präsentieren Elizabet Spaepen et al. Belege dafür, Bericht in Spiegel Online.

Mehrsprachige sind bessere Problemlöser - ergab eine Studie. Eine andere:
Mehrsprachigkeit kann den Ausbruch von "Alzheimer" verzögern. Und: Zweisprachige Kinder lassen sich nicht so leicht ablenken.

Pisa macht die Schulen nicht besser: nun auch eine Kritik von erziehungswissenschaftlicher Seite an Pisa, Autor: Hans Brügelmann, in der ZEIT.
Schlimme Handschrift und überflüssige Ausdrücke bei Studis? Darf man relevant; diesbezüglich; nichtsdestotrotz; adäquat; eigentlich; zum Kern der Sache kommen; auflisten; grundsätzlich; zweifelsohne; bzw.; ohnehin; irgendwie; quasi... nicht schreiben? Thomas Hoeren, Münster, in der DUZ
18. Dezember: Internationaler Tag der Migranten
"Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2000 den 18. Dezember zum Internationalen Tag der Migranten ausgerufen. Zehn Jahre zuvor, am 18. Dezember 1990, hatte die UN-Vollversammlung die Internationale Konvention zum Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen angenommen. Darin heißt es in Artikel 8, dass es Migranten freisteht, "jeden Staat einschließlich ihres Herkunftsstaats zu verlassen." Dieses Recht wird durch einige Ausnahmen - etwa wenn die nationale Sicherheit oder die öffentliche Gesundheit bedroht ist - eingeschränkt. Bislang ratifizierten nur 15 Staaten die Konvention. Deutschland gehört nicht dazu. Rund 200 Millionen Menschen gelten nach UN-Angaben als Migranten. Die Zahl stieg im vergangenen Jahrzehnt jährlich um sechs Millionen und nimmt schneller zu als das Wachstum der Weltbevölkerung." (Tagesschau.de) Dort auch Bericht über die "Malteser Migranten Medizin", die Menschen behandeln, die nicht krankenversichert sind, z.B. "Illegale".
Taz heute - 7.12. - als "Deutschland-Taz" mit interessanten Texten, u.a. von Zaimoglu, Cohn-Bendit... Lesenswert (bis auf das Sarrazin-Interview)

PISA und nichts Neues: Untersucht wurde 2010 u.a. die Lesekompetenz: Deutschland ist weiter im Mittelfeld - bei leichter Verbesserung. In dern Naturwissenschaften und der Mathematik sind die Forschritte größer. Darstellung bei  der ARD und Spiegel-Online.

In Deutschland ist man weniger tolerant gegenüber Muslimen als in Nachbarländern? Und öfter antisemitisch?
Prof. Pollack (Münster) hat eine Umfrage in Westeuropa gemacht - mit brisanten Ergebnissen.
Zitat: "Während Niederländer, Franzosen und Dänen mehrheitlich positiv über Muslime denken (zu 62 %, 56 % und 55 %), gilt das in Deutschland nur für eine Minderheit von 34 % (West) und 26 % (Ost). Der wichtigste Grund dafür ist die Häufigkeit der Kontakte, wie das Forscherteam herausfand: „Je öfter man Muslime trifft, desto eher sieht man sie generell positiv“, erläuterte Pollack. So geben im Westen etwa 40 % an, zumindest einige Kontakte zu Muslimen zu haben, im Osten nur 16 %. In Frankreich, dem Land mit dem positivsten Islambild, sind die Kontakte mit 66 % am häufigsten."

Ähnliche Ergebnisse hat auch Prof. Wilhelm Heitmeyer aus Bielefeld in der aktuellen Ausgabe seiner Studien zu "Deutschen Zuständen" erlaten. Hier beunruhigt, dass nun auch in den bürgerlichen Mileus die Islamfeindlichkeit wie auch der Antisemitismus sich im Rahmen eines wachsenden Rechtspopulismus weiter ausgebreitet haben, das Bürgertum "verrohe"  Sarrazin lässt grüßen. Die Taz berichtet übder diese Studie.

Studierende im Ausland: Nur Wenige (von 2000 Befragten) fühlen sich von Deutschland als Arbeitsland angezogen, zeigt eine Befragung der Professoren Schwaab und Schäfer (HS Pforzheim). Besonders skeptisch: türkische Studierende, die schon Erfahrung mit Deutschland hatten.
Integrierte Deutsche richten einen bemerkenswerten Appell an die Bundeskanzlerin, gegen die "Verdummung":
"In Deutschland leben fast 16 Millionen Zuwanderer und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Debatte, so wie sie geführt wird, beschädigt und verletzt uns. Sie beschädigt auch die Motivation unserer Kinder, sich in Deutschland zu integrieren. Wir fordern deshalb von der deutschen Politik, dass sie sich endlich zu uns bekennt"
Deutsche Lehnwörter im Polnischen hat eine Gruppe, initiiert von Andrzej de Vincenz, fortgeführt von Gerd Hentschel, lexikographisch erfasst.
Eberhard Straub: Nachhilfe für Sarrazin. Ein guter Artikel zu Islam und Europa in der ZEIT.

Freitag, 22.10.2010: Grundsteinlegung der deutsch-türkischen Universität in Istanbul mit dem türkischen Präsidenten Gül und dem Bundespräsidenten Wulff.
Die Universität wird auf einem zwölf Hektar großen Gelände auf dem asiatischen Teil Istanbuls - nahe Beykoz - entstehen. Sie wird 5000 Studierende und alle klassischen Fakultäten (außer Medizin) aufweisen. Deutschland wird Professoren entsenden und an den Studienplänen mitarbeiten. Start ist Herbst 2011.
Das ist ein wichtiges Projekt für die Beziehungen dieser Länder, deren akademischer Austausch noch nicht genug entwickelt ist. Rita Süssmuth, früher Professorin an der Universität Dortmund, hat sich um dieses Projekt große Verdienste erworben.

Lehrerin gegen Noten: Sabine Czerny im Interview der Taz

"Der Hase vor dem Taj Mahal Mit Weihnachtsgeschichten können viele Schüler aus Migrantenfamilien nichts anfangen. Lehrbücher und Schulen versuchen, auch andere Kulturen einzubeziehen", Lalon Sander in der Taz

Kulturelle Offenheit bei Grundschülern...1000 Erstklässler befragt
Schon wieder Schulhofdebatte? Die hatten wir 2006, notfalls bitte nachlesen. Neue Aspekte gibt’s nicht. Neue Gründe, das wieder hervorzuholen, vielleicht schon (s. Kommentar rechts).
Deutscher Buchpreis für eine Migrantin und transkulturelle Autorin: Melinda Nadj Abonji, die mit 5 Jahren aus Serbien, wo ihre Familie zur ungarischen Minderheit gehörte, in die Schweiz kam. Sie schreibt deutsch und tritt als Musikerin auf. In ihrem Roman werden "die Dinge [...] beim Namen genannt" (FAZ)
Melinda Nadj Abonji: „Tauben fliegen auf“. Roman. Verlag Jung und Jung, Salzburg 2010.

"Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." (Bundespräsident Christian Wulff, 20. Jahrestag der Einheit)

Zur unsäglichen Debatte in Presse und Politik fällt einem wenig ein. "Migrationsforscherin Naika Foroutan von der Humboldt-Universität Berlin: "Wenn man Muslime immer wieder mit den Wörtern von Kriminalität, Integrationsverweigerung und Bildungsrückstand, sogar teilweise mit genetischen Defekten und Unzucht in Verbindung bringt, dann ist das etwas, was gefährlich ist." Nach Recherchen von "Report Mainz" bekommen Wissenschaftler, die sich kritisch zu den Thesen Sarrazins äußern, Morddrohungen und hunderte Hass- beziehungsweise Droh-E-Mails." (Spiegel Online)

Rechtsextremismus in der Mitte
Eine Studie der Ebert-Stiftung bringt erschreckende Ergebnisse: Jeder Zehnte (mindestens) ist rechtsestrem, wünscht sich einen "Führer". Wie steht es mit der Verantwortung unserer Politiker?

Multikulti "sei absolut gescheitert" sagt die Kanzlerin am 16.10.2010. Nur: Gab es überhaupt so ein Projekt? Und was soll man unter "Multikulti" verstehen? Warum die Abkürzung? Mehr hier.

Hilal Sezgin, "Hau den Muslim"
Hilal Sezgin (Hg.)(2011) Manifest der Vielen: Deutschland erfindet sich neu. Berlin: Blumenbar

Zur Islamdebatte auch: Straub und Bahners, Die Panikmacher (FAZ-Auszug)

"Zum 20. Jahrestag der deutschen Vereinigung wenden sich Intellektuelle gegen die Ausgrenzung von Migranten."

Das ist wichtig, reklamiert doch die Presse (z.B. Bild und Spiegel) unter Sprüchen wie "das wird man doch noch sagen" dürfen das Recht, Minderheiten zu diskriminieren, rassistische Thesen zu verbreiten und falsch verstandene wissenschaftliche Ergebnisse zu verbreiten. Ist dann bei Springer auch der Antisemitismus kein Tabu mehr? Man wird ja noch fragen dürfen...

Wie kann man eine gute Handschrift lehren? Bedenkenswerte Vorschläge von Ute Andresen in der Taz.
Gegenüber früher hat sich in diesem Bereich sehr viel geändert, offenbar nicht zum Guten - auch methodischer Dogmatik geschuldet ("Lesen durch Schreiben" und ähnlich fragwürdige Ansätze). Die Problematik der Vereinfachten Ausgangsschrift, die Vorzüge der alten DDR-Schulschrift sieht man heute deutlich. Und hier ist Teil 2.

Erinnerung an die Wirklichkeit
20.000 Ausländer stehen auf Wartelisten: Sie wollen einen Integrationskurs besuchen. Doch der Staat finanziert nur jene Aspiranten, die einen Rechtsanspruch haben (ZEIT Online 22.9.10)

Offener Brief deutscher Musliminnen und Muslime an den Bundespräsidenten Christian Wulff (13.9.2010)
Lehrer mit eigener Migrationsgeschichte als Vorbild und Helfer... spiegel online

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard für seine Haltung ausgezeichnet: "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut".
Fragen: Wieviel Mut erfordert es, einen solchen Preis zu verleihen?
Wieviel Mut erfordert es, einen solchen Preis jemandem zu verleihen, der Jesus-Karikaturen gezeichnet hat?

Welche Wirkung hätte eine solche Aktion auf Kirche und Christen im Lande, welche Wirkung hat die Aktion auf gläubige Muslime?

Die Muslime feiern heute (9.9.) zum Ende des Ramadan das Zuckerfest - herzlichen Glückwunsch!

Türkisch im Hinterzimmer der deutschen Gesellschaft...
...ein empfehlenswerter Kommentar zur Lage von Kübra Yücel in der taz vom 1.9.2010.

Rassismus? Kulturelle Diskriminierung? Medienhype um gestrige Thesen? Zu Sarrazin...

Gunilla Fincke vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration stellte am 10.9.10 eine Studie über die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Migranten vor. Entgegen Sarrazin ist der Anteil der Migrantenunternehmer groß. 12 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationsgeschichte sind selbstständig, bei Herkunftsdeutschen sind es mit 14% wenig mehr. Bei Neugründungen liegen Menschen mit Migrationshintergrund sogar vorn. Quelle: taz

"Die Bild-Zeitung benutzte Sarrazin wie ein Bauchredner seine Puppe" Gespräch von Eren Güvercin mit Wolfgang Lieb "NachDenkSeiten" auf Telepolis

Naika Foroutan: Wer ist wir? Wie mich die Sarrazin-Debatte zur Verteidigung der Muslime zwang.

Hat der bekannte Biologe Marc Hauser Daten gefälscht? So steht es in der New York Times vom 20.8.2010. Vgl. auch den aktualisierten Wikipedia-Artikel. Oder diesen Blog.
Hauser wurde linguistisch bekannt durch: Hauser, M.T./Chomsky, N./Fitch, W.T. (2002) The Faculty of Language: What is it, who has it, and how did it evolve? In: Science 298, 1596-1579 [Evolution und die Chomsky-Theorie] sowie Fitch, T. W., Hauser, M.D./ Chomsky, N. (2006) The Evolution of the Language Faculty: Clarifications and Implications. In: Cognition 97, 179-21. Verbreitet auch: Hauser, M.T. (2001) Wilde Intelligenz. Was Tiere wirklich denken. München: Beck

Neue Datenbank zu Lehnwörtern in 41 Sprachen
"The World Loanword Database (WOLD), edited by Martin Haspelmath and Uri Tadmor, is a scientific publication by the Max Planck Digital Library, Munich (2009). It provides vocabularies (mini-dictionaries of about 1000-2000 entries) of 41 languages from around the world, with comprehensive information about the loanword status of each word. It allows users to find loanwords, source words and donor languages in each of the 41 languages, but also makes it easy to compare loanwords across languages" (http://wold.livingsources.org/ [28.8.2010]).
Von der Mercator-Stiftung unterstützte / geförderte Publikationen aus dem DaZ-Bereich finden sich hier.
Das Elitestipendium (300 familienunabhängige Euronen) kommt nun doch noch bundesweit - aber nur für sehr wenige...
Der Beitrag des Bundes ist sehr knapp. Vor allem bleibt es bei der unseligen Sponsorenkonstruktion. Und bei den unsozialen Effekten, die lange bekannt sind. Schon in NRW war die Erfahrung, dass für Studierende der Geisteswissenschaften oder des Lehramts praktisch nicht gespendet wurde. Das müsste z.B. das Land machen, wenn es denn gute Lehrer will... Die Wissenschaften von Sprache und Kultur, viele international angesehen, müssen besonders gefördert werden. Oder kann bald Lehrer sein, wer einen Gymnasialabschluss hat?

Ist die Universalgrammatik Chomskys doch nicht universell? Haben Natives Probleme mit komplexeren Sätzen? Das möchte Ewa Dabrowska belegen. > Link
>
Zu ihren Schriften auf ihrer alten Sheffield-Seite

DeukischeGeneration sammelt Strafanzeigen gegen Bundesbanker T. Sarrazin, der unsägliche - von vielen für rassistisch gehaltene - Thesen vertreten hat wie „Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer“ (durch Zuwanderung), aber erstaunlicherweise noch Mitglied der SPD ist.
Neuausgabe des Readers "Sprachwissenschaft" (2010)
Das Buch gibt es seit 1996, nun hat sich Einiges geändert. Neuere Theorien im Bereich der Grammatik waren zu berücksichtigen. Spracherwerb und Interkulturalität sind stärker gewichtet.
Bachelor-Studiengänge ziehen eine kompaktere Studienweise nach sich, erfordern gleichwohl eine Kenntnis auch der Fachgrundlagen und eigenständiges Erarbeiten von Grundtexten einer Wissenschaft. Eine veränderte Studienorganisation darf nicht dazu führen, den Lernenden Wissen nurmehr in ausgedünnter Form zu servieren. Es wurden die didaktischen Texte und der Anteil von Aufgaben verstärkt, damit ein Einsatz im Studium unterstützt wird. Das Buch wählt weiter den Zugang über klassische Texte, die zu lesen immer lohnt. Neu aufgenommen wurde etwa Leonard Bloomfield, dessen Buch „Language“ zu den bedeutendsten der Sprachwissenschaft gehört. Es werden gegenwärtig diskutierte Ansätze vermittelt (beispielsweise das Verhältnis von Sprache und Kultur (Tomasello (Kap. A), Günthner, Heeschen, Rehbein), die Prototypensemantik (Löbner), die Grammatikalisierungsforschung, (Haspelmath) die Optimalitätstheorie (Müller), die Konstruktionsgrammatik (Goldberg, Tomasello (Kap. F)).
Israel - Palästina - Deutschland - politische Kritik: Streitgespräch Hafets / Kramer in der taz

Der Süden besser - aber sozial ungerechter! Ein Skandal, auf den wohl wieder nur mit neuen Texts und nicht mit einer Förderinitiative reagiert wird
Die Schüler aus Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg sind in einem Test (Leseverständnis. mündliches Textverständnis), der auf der Basis der Bildungsstandards konzipiert war, erfolgreich gewesen. Sachsen und Rheinland-Pfalz haben auch gut abgeschnitten. Am Ende des Rankings finden sich die Stadtstaaten (Bremen, Hamburg, Berlin), die den höchsten Anteil (30%) an Kindern mit Migrationsgeschichte haben.
Wieder einmal zeigt sich die extreme Abhängigkeit der Leistungen von der sozialen Herkunft. Kinder "oberer Schichten" haben im Vergleich zu Schülern aus Facharbeiterfamilien auch bei gleicher Intelligenz eine 4,5 x so große Chance, ein Gymnasium zu besuchen, in Baden-Württemberg und Bayern sind die Chancen von Akademikerkindern gegenüber Facharbeiterkindern ca. 6,5 mal so hoch - bei vergleichbarer Intelligenz und Lernkapazität. Jugendliche türkischer Erstsprache hatten in den Bereichen Lesen und Textverständnis große Probleme. Skandalös - aber wenn das große Geld in große Testinstitute, Bildungsforschungsprojekte etc geht, statt in bessere Fachdidaktik, individuelle Förderung, kleinere Lerngruppen, gemeinsames und solidarisches Lernen... dann ist das so und ändert sich auch nicht.
Gespräch mit Bildungsforscher Baumert (Tagesspiegel) oder im Spiegel, kritisch zu lesen.

Besser integriert - mehr Vertrauen? Neue Studie zur Integration
Das besagt das neue Gutachten des unabhängigen Sachverständigenrates für Integration und Migration (SVR), das am 19.5.10 vorgestellt wurde.  Die Integration sei nicht gescheitert, das Vertrauen zu den Deutsch vergleichsweise hoch. Befragt wurden 5600 Bürger. Die Interviewer sprachen Russisch und Türkisch. Mehr und Statistik bringt die SZ...
Krisengipfel gescheitert
Bundesbildungsministerin Annette Schavan stellte nach dem Bologna-Krisengipfel für die nächsten zehn Jahre (!) zwei Milliarden Euro für einen "Qualitätspakt" zur Verbesserung des Studiums und eine "Akademie der Lehre" zu realisieren. Wiederum wird nach dem Vorbild des Marktes ein Wettbewerbsmodell installiert, das am Ende für die Masse und in der Breite wenig brint. So hat der Wissenschaftsrat 1,1 Milliarden Euro pro Jahr (!) zusätzlich gefordert, um die Lehre an den Hochschulen wirklich verbessern zu können. Die nächste Konferenz ist in einem Jahr. Und: die G8-Jahrgänge kommen bald!
Der Neandertaler und wir: ein Durchbruch für die Anthropologie
Die Leipziger Paläogenetiker um Swante Pääbo hat wieder etwas herausgefunden: Im Genom von Europäern und Asiaten finden sich (kleine) Neandertaler-Anteile. Was zeigt, dass es zu Vermischungen der Gruppen (vermutlich in Vorderasien/Europa) gekommen ist, nachdem sie den afrikanischen Ursprungskontinent verlassen haben. Für Afrikaner gilt dieser Befund nicht.
Früher wurden solche Beziehungen von den meisten Anthropologen bestritten.
Zu 99,7% ist das genetische Material identisch. Noch aber ist dieses Material - gewonnen aus Knochenmehl - nicht komplett entschlüsselt. Wir wüssten gern mehr über die kognitiven Unterschiede, über mögliche Überlebensvorteile, über die Sprachfähigkeit (beide hatten das Gen FoxP2, auch die Neandertaler konnten wohl sprechen).
Texte zu den neuen Ergebnissen in Science.
Offen ist auch: Warum ist die kleine Gruppe der Neandertaler (ca. 7000-10000 waren es gegen Ende) ausgestorben?
Das Netz als Hölle - Bazon Brock äußert Bedenkliches über Internet, Wissenschaft und Universität
Wunder gibt es immer wieder ... sang mal Katja Ebstein. So muss man Meldungen werten wie Kroatisches Mädchen erwacht aus dem Koma und spricht fließend Deutsch/Chinesisch ..., die derzeit durch gewisse Medien geistern. Vor solchem Quark schützt ein Studium der Linguistik.
Studierende auch im Bachelor arbeiten hart, Stipendien sind für Wenige, der Bildungsstatus der Eltern ist weiterhin wichtig
Das zeigen alle Erhebungen, auch die jüngste des Studentenwerks. Die meisten müssen ja auch noch Geld verdienen. Stipendien wären ein Ausweg, kommen aber bei den Stiftungen eher Betuchten zugute. Die neuen Leistungsstipendien sind dünn gesät, sie erfordern ja eine hälftige Mitfinanzierung durch die Wirtschaft und kommen meist wirtschaftsnahen Fächern zugute, so dass die Lehrerausbildung weitgehend leer ausgeht: Hier müsste deren Hauptabnehmer, das jeweilige Bundesland, kofinanzieren - und zwar spürbar -, wenn es Interesse an an guten Lehrern/Lehrerinnen hat!
Ossi bezeichnet keine ethnische Gruppe - befand das Stuttgarter Arbeitsgericht in einem Diskriminierungsprozess, also könne man so nicht diskriminiert werden (- Ossi hatte ein Arbeitgeber auf den Bewerbungsunterlagen vermerkt). → ARD. Andererseits: jemand wurde unzter der Bezeichnung"Ossi" abgelehnt, also weil sie aus dem Osten Deutschlands kommt. Und das ist keine Diskriminierung?
Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) sucht die interessantesten Geschichten aus den drei Kulturhauptstädten Europas 2010 Austauschstudierende im Ruhrgebiet sowie deutsche Studierende und Deutschlernende in Pécs und Istanbul können mitmachen!
Der Linguist Noam Chomsky erhielt am 24. März 2010 in Stuttgart den Erich-Fromm-Preis. Hier ein Interview.

Der DAAD veröffentlichte am 25.2.10 ein begrüßenswertes Memorandum zur Förderung und zum Erhalt des Deutschen als Wissenschaftssprache:

"Wissenschaftssprache wird hier in einem weiten Sinn verstanden als die Sprache der Lehre an den Hochschulen, der Kommunikation zwischen Forschern auf Kongressen und im wissenschaftlichen Alltag sowie die Sprache der Publikationen mit ihrer je spezifischen Terminologie. Die deutsche Wissenschaftssprache ist ein historisch gewachsenes, traditionsreiches und komplexes Gut. Sie stellt eine essentielle Ressource wissenschaftlicher Erkenntnis und Kreativität dar und gewährleistet die Vitalität der Gemeinsprache sowie die Vermittlung wissenschaftlicher Ergebnisse an ein nicht-wissenschaftliches Publikum. (...)

In der Vielzahl unserer Förderprojekte wird täglich deutlich, welche Bereicherung es bedeutet, Deutsch als Wissenschaftssprache zu beherrschen. Die sprachliche Identität des Wissenschaftsstandorts Deutschland zu wahren und weiterzuentwickeln ist auch Aufgabe des DAAD selbst in seiner Rolle als weltweit aktiver Mittlerorganisation. Der DAAD verpflichtet sich daher, in der eigenen Kommunikation nach innen wie nach außen darauf zu achten, dass das Deutsche prioritär und das Englische und weitere Fremdsprachen in Ergänzung verwendet werden. Das Ziel der internationalen Verständigung soll auch hier in einer systematischen Mehrsprachigkeit sichtbar werden."

Veröffentlicht wurde vom DAAD auch die Broschüre „Die deutsche Sprache in der Welt“.

> Zur Aktion des Auswärtigen Amtes "Deutsch - Sprache der Ideen"

21. 2. 2010: Internationaler Tag der Muttersprache der UNESCO: Jeden Tag stirbt eine Sprache aus.

Frisch erschienen: eine ethnographische und linguistische Darstellung von Erfahrungen mit der Kultur der Pirahǎ:
Daniel Everett (2010) Das glücklichste Volk. Sieben Jahre bei den Pirahǎ-Indianern am Amazonas. München: DVA.
Die Sprache Pirahǎ zeigt Besonderheiten in vielen Bereichen: Numerus, Quantoren, Einbettung.... Für Everett ist sie nicht rekursiv; Rekursivität ist für Chomsky das Merkmal, das menschliche Sprachfähigkeit charakterisiert. Das Buch bringt zugleich die Lebensgeschichte von jemand, der als Missionar des evangelikalen "Summer Instituts of Linguistics"ausgezogen ist, den Pirahǎ den christlichen Glauben zu bringen .... und was daraus geworden ist. Zum Pirahǎ auch dieser Aufsatz von Everett. Hier die Homepage von Dan Everett. Näheres zum sprachlichen Relativitätsprinzip in meinem "Kleinen ABC".

Die Sprache Bo ist mit der letzten Sprecherin ausgestorben, berichtet Wissenschaft aktuell. Gesprochen wurde Bo auf den Anadamen im Indischen Ozean, die Sprachfamilie soll auf die Jungsteinzeit zurückgehen. Leider ist vom Bo nicht viel dokumentiert worden (die indische Fortscherin nvita Abbi von der Jawaharlal Nehru University in Delhi hat sich damit befasst) - hoffen wir, dass es anderen kleinen Sprachen besser geht und Feldforscher so viel aufzeichnen, dass das Sysrtem rekonstruierbar bleibt. Wir wissen vergleichsweise wenig darüber, wie  sprachliche Urzustände ausgesehen haben.

Wieder einmal diskutiert: Haben Kinder kognitive Vorteile, wenn das Zahlensystem ihrer Erstsprache einfacher aufgebaut ist? Wenn man im Deutsche zwanzig-eins statt einundzwanzig sagen würde? Was aber würde eine Umstellung bedeuten?
Stottern genetisch? Eine neue Studie hat Belege, dass bei einigen Fällen des Stotterns eine Genmutation zugrunde liegt. Kurzdarstellung auf Wissenschaft Aktuell.
Bewerbungsschreiben: Diskrimierungen aufgrund des (z.B. türkisch erscheinenden) Namens? (Spiegel online)
Der neue Präsident der Kultusministerkonferenz, Ludwig Spaenle (CSU), im Interview der taz zum Schulsystem. Wie sieht er die Zukunft von Jugendlichen mit "Migrationshintergrund"?
Gerichtssprache in Deutschland ist nicht mehr ausschließlich Deutsch? Berichtet die FAZ.

"Aufklärung ist nicht abgeschlossen" - unter diesem Titel findet sich in der taz vom 29.12.09 ein interessantes Interview mit dem Theologen und Menschenrechtler Heiner Bielefeldt zu Fragen des Islam, der Menschenrechte etc.

In Spiegel-Online war am 4.1.10 ein interessantes Interview mit dem Islamwissenschaftler Peter Heine zu "Islam und Gewalt".

Am Gipfel abgestürzt: munter in die Klima- und Bildungskatastrophe
Am 19.12. ist der Internationale Klimagipfel gescheitert. Wie beim deutschen Bildungsgipfel waren die Politiker nicht bereit, sich zu bewegen, auf Kompetente zu hören und für die Zukunft zu sorgen. Den Ländern, die Unterstützung brauchen, sind die Reichen - und für das Desaster vor allem Verantwortlichen - kaum entgegengekommen, viele denken nur innenpolitisch. "Klimakanzlerin", "Bildungsrepublik"? Dazu gehört mehr. Schlagworte waren gestern, schmelzende Gletscher sind Gegenwart.Und dann: Eine Erklärung, die nur zur Kenntnis genommen wird?

Bildungsgipfel am 16.12.2009 - 16 Mrd. mehr, aber die Finanzierung wird erst im Juni 2010 geklärt
Bund und Länder können mal wieder nicht kooperien - Folge der unseligen Bildungszuständigkeit der Länder, die zu immer neuen Blockaden führt. Das ist ein Nullergebnis, denn es bringt Deutschland nicht mal ins Mittelfeld der OECD-Länder, es werden in die Steigerung Ausgaben eingerechnet, die nichts bringen (fiktive Mietkosten von Uni-Gebäuden, private Kita-Beiträge, ermäßigte Mehrwertsteuer für Bücher etc.). Und: Die Steuersenkungen werden den Ländern keinen Spielraum lassen. An den Unis setzten sich die katastrophalen Zustände - bedingt durch Unterfinanzierung - fort, für die Lehre fehlt das Geld und vor allem die Stellen, die Geisteswissenschaften und die Lehrerausbildung werden weiter ausgetrocknet. Dann kommen noch die doppelten Abiturjahrgänge...
Die Unis brauchen: mehr Professoren, bessere Bedingungen und Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, studierbare und gut betreute Studiengänge, mehr Räume, weniger Abhängigkeit von externer Finanzierung und Dominanz der Forschung, neue Wertschätzung klassischer Vermittlungsformen (Publikationen, auch Bücher) und Zugang zur öffentlich finanzierten Wissenschaft für alle (open access) ...
Die Schulen brauchen: mehr und besser ausgebildete, auch auf die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit vorbereitete Lehrer, besser entwickelte Fachdidaktik und bessere fachliche Fundierung, kleine Klassen, individuelle Förderung (statt Aufbewahrung), Integration Behinderter, weniger Ökonomisierung ...
Beide brauchen schlicht: erheblich mehr Geld, erheblich mehr Personal. Und vernünftige Räume.

Antworten auf (viele) ungewöhnliche Fragen an die Wissenschaft bringt eine Seite der Cambridge University: "The Naked Scientists". Darunter z.B. die Frage "Is Grammar Hard-Wired?"

"Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt" (Titel des Magazins brand eins, 11/2009)

Bildungsstreik - war was? Notiz zur Bildungskatastrophe
Nach den stud.Protestaktionen das gewohnte Bild: Vielleicht wird BAFÖG erhöht, geplant ist schon im Koalitionsvertrag ein "Bildungssparen" (analog zum Bausparen. Heißt das: Bezahlt doch Eure Hochschulbildung bald ganz allein? Kein frisches Geld für Stellen und Räume und Sachen in die Unis? Stattdessen: noch mehr Studierende - zumal in die schon lange an vielen Orten überlasteten Geisteswissenschaften. Für die "doppelten Abiturjahrgänge", die schon unter der unzulänglichen G8-Reform leiden mussten, bahnt sich eine schwierige Zeit an. Wenn nichts geschieht. Wenn Steuerleichterungen das Geld der Länder auffressen.

Zur Bildungskatastrophe gehört auch eine akzeptierende Öffentlichkeit. Sowie zur aktuellen Politik, zu den laufenden Kriegen ein willfähriger ("embedded") Journalismus gehört. Ein Beispiel dafür hat die katastrophale Sendung von Anne Will am 29.11. geliefert.

Buchtipp: LE MONDE diplomatique (2009) Atlas der Globalisierung. Berlin: taz
OECD-Studie zeigt Skandal: Kinder von Migranten haben schlechtere Berufschancen als andere. Das gilt besonders auch für Hochqualifizierte. Schaut man auf den Namen in der Bewerbung? Weniger Qualifizierte haben nach der OECD-Studie eher Chancen, insofern sie familiäre Netze nutzen können (Job beim Onkel etc.).  Im öffentlichen Dienst sind nur drei Prozent der 20 bis 29-jährigen Migrantenkinder - sonst jeder zehnte. Quellen: OECD  taz 16.10.09 
"Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch." Das soll nun ins Grundgesetz (Koalitionsverhandlungen CDU - FDP). Nach Zweck und Ziel darf gefragt werden.
Der CDU-Bundesparteitag in Stuttgart hatte bereits einen solchen Zusatz im Artikel 22  des Grundgesetzes beschlossen. Amts- und Gerichtssprache ist Deutsch ohnehin (GVG § 184). Was bedeutet das nun für Mehrsprachige? Was für die Schulen?
"Der CDU-Beschluss ist die Fortsetzung einer aversiven Politik gegen Einwanderer". Und: "Mein Akzent läge darauf, die Mehrsprachigkeit bei allen zu fördern" sagte Gesine Schwan (SPD) (Spiegel Online).
Bachelor - kein Weg in die Arbeitslosigkeit, zeigt eine Kasseler Studie mit 35.000 Absolventen von 48 Unis und Fachhochschulen des Jahrgangs 2007. Wie Magister- oder Dipolnabsolventen brauchten sie ca. 3 Monate, eine Stelle zu finden; 86% erreichten eine volle Stelle. 3/4 blieben an der Uni (Masterstudium), was clever ist, denn der Verdienst ist dann klar höher.
Schon lange bekannt, aber doch interessant, was jetzt wieder herausgefunden wurde: Sprachen, die man als Kind gelernt und später durch Nicht-Gebrauch wieder "vergessen" hat, bleiben zum Teil im Sprachwissen. Ein neues Lernen wird daurch besonders in der Aussprache erleichtert. Meldung
Wahlkampf: Welche Rolle spielt das angebliche "Megathema" Bildung im Wahlkampf, wo ist von Universitäten oder Schulen die Rede? Was lässt das ahnen für die Zeit danach, wenn bezahlt werden muss...
Diskussionswürdig: Harald Welzer, Die Kultur der Achtsamkeit (taz) - kann man mit dem Staat in seiner jetzigen Verfasstheit die Zukunftsprobleme lösen?
Der Erwerb des Schreibens wird derzeit viel diskutiert, auch im Blick auf die Unterrichtsergebnisse in manchen Schulen. Über ein interessantes Konzept, das an ältere Traditionen anschließt, berichtet die taz. Die Besonderheite der Schreibtechnik und -ästhetik werden manchmal - wenn es auf Motivation und Eigenaktivität der Lerner ankommt - vergessen. Daher sollte man einschlägige Modelle ansehen, etwa Andresens Atelier für Unterricht.
Die Oldenburger Pädagogikprofessorin Astrid Kaiser behaptet, Grundschullehrkäfte ließen sich in der Bewertung von den Vornamen der Kinder leiten. Kevin z.B. erzeuge leicht Vorurteile. Interview auf Spiegel-Online. Eigennamen haben m.E eine Bedeutung, sie lösen auch Assoziationen aus. Aber verbindet sich mit ihnen Normalitätswissen <wenn jemand n heißt, ist er zu bestimmten Handlungsweisen disponiert, gehört zur Leistungsklasse K ...>?
Am 21./22. August 2009 beginnt in diesem Jahr der 29-tägige Ramadan, die islamische Fastenzeit. Einen Einstieg in Informationen zum Islam gibt es auch hier.

Unterscheidung belebt - versus unbelebt angeboren?
Dass Belebtes und Unbelebtes - eine wichtige Unterscheidung auch in der Grammatik (z.B. Wortstellung) - in unterschiedlichen Hirnregionen verarbeitet wird, ist länger bekannt. Die Unterscheidung soll sogar angeboren sein und auch bei geburtsblinden Menschen zu finden, so Bradford Mahon von der University of Rochester.

NRW noch ziemlich weit hinten in der Bildung - meint die Initiative Neue soziale Marktwirtschaft (INSM)
Zitat: "Der Anteil der Schüler und Studierenden je Lehrer oder Dozent ist in NRW seit Jahren im Bundesvergleich sehr ungünstig – hat sich aber in den letzten Jahren an den Schulen und Hochschulen verbessert. Trotz positiver Veränderungen in den vergangenen Jahren sind auch die Relationen an den Grundschulen und an weiterführenden Schulen schlechter als im Bundesdurchschnitt. So wurde in den Jahren 2005 bis 2007 die Zahl der Grundschullehrer erhöht, obwohl die Schülerzahlen rückläufig waren. Die schlechtesten Relationen im Bundesländervergleich bestanden an den Hochschulen – auf eine Lehrkraft (Professor, Dozent, Lehrbeauftragter) kamen rechnerisch im Jahr 2007 24,0 Studierende (Bundesdurchschnitt: 15,4). Fünf Jahre zuvor war die Relation mit 29,5 noch deutlich schlechter."
Kommentar: Ich weiß nicht, wie das an den Unis gerechnet wurde, wahrscheinlich wurde das gesamte Personal einbezogen.

NS-Parolen - entschied der BGH (3 StR 228/09) - sind nur formuliert in deutscher Sprache ("Blut und Ehre"), nicht bei Übersetzung etwa ins Englische ("Blood and Honour") strafbar. Als Linguistik kommt man dabei ins Grübeln... Sprachrelativität des Rechts als Grundlage der Rechtstheorie? Konsequenz aus der These der Nicht-Übersetzbarkeit? Bericht in Spiegel-Online

Mädchen türkischer Erstsprache sind nach einer Würzburger Studie (Prof. Reinders) eher selbständiger, selbstbewusster, autonomer als Jungen
In einer Hauptschulstudie( 830 HauptschülerInnen wurden befragt) zeigte sich Folgendes: 77 Prozent (Jungen: 72%) gaben an, ihre Freunde selbst wählen zu wollen. 67 Prozent (59% Jungen) möchten eher Unabhängigkeit von den Eltern. 77 Prozent (Jungen: 62) wollen sich beim Traumberuf nicht von den Eltern bestimmen lassen. 65 Prozent der Jungen (Mädchen: 75%) möchten selbst bestimmen, ob sie an Familienfeiern teilnehmen. Das manifestiere sich vor allem in der Auseiandersetzung mit den Eltern. 85 Prozent der Mädchen (76% Jungen) nehmen sich das Recht auf eigene Meinung heraus. Fazit von Heinz Reinders
"Das Erstaunliche an den Ergebnissen ist die Normalität. Türkische Jungen brauchen ebenso wie deutsche Jungen generell etwas länger, um sich von der Familie zu lösen. Mädchen sind offenbar besser integriert, was ihre Abnabelung leicht zu beschleunigen scheint", so Professor Reinders. Sein Fazit: "Wenn sie denn jemals in der Mehrheit waren, dann sind zurückhaltende türkische Mädchen deutlich seltener anzutreffen als selbstbewusste und gut integrierte junge Türkinnen."
Auch wenn die Studie noch einige Fragen aufwirft, sollte sie vor schneller Etikettierung bewahren.  Die Unterschiede entsprechen denen deutsch-monolingualer Jugendlicher, bei denen auch die Mädchen die Nase etwas vorn haben. Also dem kulturellen Umfeld.

Bekanntermaßen wird das linke und das rechte Seite Sehfeld in der jeweils gegenüberliegenden Gehirnhälfte verarbeitet; ein Mädchen ohne rechte Hirnhälfte kann gleichwohl gut sehen und sich orientieren. Warum ist das so?
Die Schnalzlaute der NJU, es handelt sich um Implosive (einströmende Luft wird unter der Zunge angesaugt), werden mittlerweile in ihrer hochkomplexen Bildung besser verstanden; Ultraschalldarstellungen zeigen die Bildung und die Möglichkeiten, die weltweit einzigartigen Laute zu variieren. Kurztext. Allgemeines zu Khoisan-Sprachen und anhörbare Sounds finden sich auf Seiten von Cornell.
ForumSprache
ist eine neue Online-Fachzeitschrift für das Lehren und Lernen moderner Fremdsprachen.

"Linguamón – Haus der Sprachen ist eine Regierungseinrichtung, die von der Regierung von Katalonien ins Leben gerufen wurde und deren Ziel es ist, die Sprachen der Welt als
• Kommunikations-, Zivilisations- und Dialogmittel
• Quelle der persönlichen Entwicklung, der menschlichen Kreativität und als Menschheitserbe
• Recht der Menschen und der Sprachgemeinschaften zu fördern." Homepage

"Stiftung Mercator übergibt neues Ausbildungsmodul "Deutsch als Zweitsprache" im Bereich der Lehrerausbildung an Ministerin Sommer"
Die Mehrsprachigkeit an Schulen stellt besondere Anforderungen an die Lehrtätigkeit, die in der Lehrerausbildung bislang nicht berücksichtigt werden. Lehramtsstudierende, die im Rahmen des Mercator Projekts "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund" als Förderlehrer tätig sind, fühlen sich durch die Unterrichtspraxis besser auf den Schulalltag vorbereitet. Das belegt die Evaluation des Projekts, das die Stiftung Mercator bundesweit seit 2001 mit 10 Millionen Euro fördert. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Mercator gemeinsam mit Vertretern der Technischen Universität Dortmund [Özdil, Hoffmann], der Universitäten Duisburg/Essen und Köln sowie den jeweiligen Zentren für Lehrerbildung ein Modul für "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ) entwickelt, das neben der wissenschaftlichen Ausbildung auch einen praktischen Anwendungsbereich als Förderlehrer vorsieht. Heute fand die offizielle Übergabe des Moduls durch den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, Dr. Bernhard Lorentz an NRW-Schulministerin Barbara Sommer im Ministerium in Düsseldorf statt. Das Ministerium für Schule und Weiterbildung sowie die Stiftung Mercator werden das Modul jetzt allen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stellen."
Wissen Studenten mehr als Studentinnen? Das besagt ein Test von Spiegel und studivz. Laut Spiegel beantworteten Frauen im Schnitt 21,5 Fragen richtig, Männer hingegen 26,5 Fragen

Vortrag Ludger Hoffmann: "Kommunikative Welten. Vom Potential der Sprache" an der Universität Köln am 28.4.09. Exposé zum Vortrag.

Die Broschurausgabe des "Handbuchs der deutschen Wortarten" ist da (39,95 Euro).
Workshop mit Holger Diesel / Tibor Kiss am 24.4.09 am KWI Essen (FG "Was ist der Mensch")
Buch: R. Pörings/U. Schmitz (Hg.)(1999) Sprache und Sprachwissenschaft, Tübingen: Narr [kognitiver Standpunkt, zu empfehlen] jetzt als kostenloser Download
Hier mal der Hinweis auf einen neuen Lyrikband: Hans Magnus Enzensberger (2009) Rebus. Frankfurt: Suhrkamp. Auch in diesem Band gibt es luftig leichte Texte zu bestaunen, von denen einige Sprache reflektieren (z.B. "Polyglotte Frage auf deutsch"). Lesenswert!

Artikel in der ZEIT: Das Tier, das "Wir" sagt. Michael Tomasello sucht nach der Einzigartigkeit des Menschen. Von Mathias Greffrath

Studieren am St. Johns College: umfassende Bildung - eine Alternative für Deutschland? (Bericht Spiegel Online)

Richard Münch hat schon 2007 die bemerkenswerte, kritische soziologische Studie "Die akademische Elite" (s. unten) vorgelegt. Nun gibt es ein neues Werk, das sich mit der Umgestaltung der Bildung und der Wissenschaft nach ökonomischen Modellen (aus Unis werden "Quasi-Unternehmen") und Management-Rhetorik ("Kernkompetenz", "Qualitätssicherung") befasst: "Globale Eliten, lokale Autoritäten" (2009) Frankfurt: edition suhrkamp. Letztlich werden durch die aktuellen Entwicklungen als Struktur befestigt. "Mit der Exzellenzinitiative steigt also auch Deutschland in den internationalen akademischen Kapitalismus ein." (2009:191)

Seine These zur Bildung unter neoliberalen Vorzeichen: In Schulen und Hochschulen wird Bildung als Kulturwissen und Fachwissen wird auf basale Kompetenzen, Menschen auf Humankapital reduziert, daraus dass das alte Schulsystem an Überkommenem festhält - auch bei G8 - wird der Konflikt auf dem Rücken von Schülern und Lehrern ausgetragen, weite Teile der Unis werden auf Fachhochschuleniveau geracht, die Eliteunis können fröhlich und ressourcenstark forschen...
PS Lieber Herr München, vielleicht ist auch das Wort Elite ersetzbar?

Studie "Nutzung der Mehrsprachigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund – Berufsfelder mit besonderem Potenzial" (Studie von Bernd Meyer)
Mercator-Projekt Sprachförderung: Studie belegt erstmals: Wirksame Sprachförderung durch Lehrer mit Migrationshintergrund
Die Sprache Deutsch: Ausstellung des Deutschen Historischen Museums Berlin, 15.1.-3.5.2009
Ein REFERENZRAHMEN ZUR ALTERSSPEZIFISCHEN SPRACHANEIGNUNG (Ehlich/Bredel/Reich Hg.) ist erschienen und auf der Seite des BMBF zu bestellen oder herunterzuladen.  Dort finden sich auch einige andere wichtige Texte.

Die UNESCO warnt: Mehr als die Häfte aller Sprachen droht auszusterben. Sie stellt einen Atlas bedrohter Sprachen bereit, in dem suchen kann und Daten bekommt, hier ein Beispiel:

atlas bedrohter sprachen

Auch die VW-Stiftung fördert die Dokumentation bedrohter Sprachen. Vor allem in Nord- und Südamerika, in Südostasien, Ozeanien und in Afrika finden sich Sprachen mit nur noch wenigen Sprechern (man schätzt, dass es einige tausend sein sollten, damit die Sprache überlebt); auch in Europa sind schon Sprachen verschwunden und gegenwärtig einige Dialekte wie Friesisch bedroht.

"Unesco-Generaldirektor Koichiro Matsuura sagte anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache in Paris, die Sprache mache die Identität einer Person aus. Wenn sie sterbe, "verschwindet eine Sichtweise, die Welt zu betrachten.“ Der Vorsitzende der Generalsversammlung der Unesco, Musa Bin Jaafar Bin Hassan, forderte, es müsse alles getan werden, damit auch wenig verbreitete Sprachen neben den großen Sprachen dieser Erde existieren könnten. Es sei aber schwierig, sich „der Flut der Globalisierung“ entgegenzustellen, die Englisch und damit der gesamten angelsächsischen Kultur eine dominante Position verleihe (...) Laut Unesco sind im Internet mehr als zwei Drittel aller Websites auf Englisch verfasst. Auf Platz zwei folgt Deutsch mit immerhin sieben Prozent. Französisch, Japanisch und Spanisch kommen dagegen nur auf drei Prozent. Dagegen seien 90 Prozent der 6000 Sprachen weltweit im Internet überhaupt nicht vertreten. Vor allem bei Sprachen, die ausschließlich gesprochen werden, sieht die UNESCO die Gefahr, dass diese über kurz oder lang verschwinden könnten. Dies betrifft der Organisation zufolge ein Fünftel aller Sprachen, davon ein beträchtlicher Teil in Afrika, wo es rund 2000 verschiedene Sprachen gibt.
Die EU-Kommission stellte außerdem das Ergebnis ihrer Umfrage „Die Europäer und ihre Sprachen“ vor. Demnach können sich 56 Prozent der EU-Bürger in einer anderen Sprache als ihrer Muttersprache unterhalten. Der Anteil ist in den vergangenen fünf Jahren um neun Prozentpunkte gestiegen. Die meistgesprochene Fremdsprache ist Englisch, das 38 Prozent aller Europäer zusätzlich zur Muttersprache sprechen. Französisch und Deutsch teilen sich mit jeweils 14 Prozent den zweiten Platz. Berücksichtigt man sowohl die Muttersprache als auch die Fremdsprachenkenntnisse, so wird Deutsch von 32 Prozent aller EU-Bürger gesprochen. Das ist Platz Zwei nach Englisch (51 Prozent) und vor Französisch (26 Prozent)." (tagesschau)

Krise und Migration: Interview mit Migrationsforscher Klaus Bade in der taz

Englisch in der Grundschule sinnlos? Sagt Spiegel-Online. Eine Studie des Ministeriums (April 2009) dazu gibt es hier. Und
Abers wie wäre es mit Erstsprachen der Migration in der Grundschule?

Herkunftssprachen in Schulen als Entwicklungsmotor... das belegt eine aktuelle englische Studie.

Interview mit Chomsky zu Obama im Rheinischen Merkur

Erleichtert Zweisprachigkeit die Integration? Debatte im FAZ-Net

Und: Wie ich Deutsch lernte von Feridum Zaimoǧlu

"Dummschwätzer" nicht strafbar - unter bestimmten Umständen. Bundesverfassungsgericht entscheidet pragmatisch.
Deutscher Schulpreis 2008 für die Wartburg-Grundschule in Münster Gievenbeck! Herzlichen Gückwunsch!
Mit dem "Deutschen Schulpreis" werden seit drei Jahren jedes Jahr die besten deutschen Schulen von der Bosch-Stiftung ausgezeichnet.
2007 wurde der Hauptpreis an die Staatliche Integrierte Gesamtschule in Hildesheim vergeben, 2006 erhielt ihn die Dortmunder Grundschule Kleine Kielstraße.

Zum 80. Geburtstag von Noam Chomsky am 7.12.2008 gratulieren wir! Bei aller Kritik an Universalgrammatik, Ausblendung der Funktionalität von Sprache etc., versteht sich. Aus der Presse:
zur Politik:
taz - standard - frankfurter rundschau - heise
zur Linguistik:
Süddeutsche ZeitungVielleicht möchten Sie eines der vielen Videos im Netz ansehen:
http://www.dailymotion.com/video/x4qx9w ... m_politics

Türkisch an deutschen Schulen!
Cem Özdemir fordert (n. Spiegel-Online), was auch an dieser Stelle oft gefordert wurde: "Deutsch muss für Kinder, die hier leben und aufwachsen, immer die wichtigste Sprache sein. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass Kinder mit Migrationshintergrund ihre Mehrsprachigkeit entfalten können. Warum soll an deutschen Schulen neben Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch nicht auch mehr Türkisch angeboten werden?" Lehrer-Info-Net (bes. zum Türkischen)  Türkisch / Deutsch

Schon wieder Pisa - und keine "Bildungsrepublik" (Kanzlerin Merkel)
Auch hier wurde schon Kritisches über PISA-Studien geäußert; sicher werden sie - auch wenn sie nicht besonders aussagekräftig sind, aufgrund ihrer politischen Bedeutung von den Ländern bald runtergefahren. Warum soll sich die Politik die Ergebnisse ihres Nichtstuns oder ihrer geringen Aktivität immer vorführen lassen? Bisher war das immer noch preiswerter, als wirklich an die Misere heranzugehen. Bildung ist nicht Autoindustrie, Unis und Schulen keine Banken.
Der Potsdamer Mathematik-Didaktiker Thomas Jahnke: "In Deutschland leiden wir unter dem Pisa-Trauma. Man glaubt an die Daten, als kämen sie aus Rom, aber sie kommen aus Kiel". Er stellt fest: "Die Pisaner rechnen Pisa-Punkte in Schuljahre um." Das Niveau sei aber gar nicht gestiegen. Vielmehr würden die Tests geübt, wie schon in anderen Ländern zuvor. "Die Testfähigkeit steigt in dem Maße, in dem Schüler getestet werden." (Jahnke, Süddt. Zeitung)

Yașar Kemal über Literatur und die Welt (Wer YK nicht kennt und die Türkei verstehen will, muss ihn lesen!)
Was sagen uns 4000 Jahre alte Keilschrifttafeln heute? Interview in "Wissenschaft aktuell"
"Das Deutsche Institut für Menschenrechte will den Begriff "Rasse" aus deutschen Rechtsvorschriften streichen", berichtet die taz. Das erscheint sinnvoll, weil seit vielen Jahren klar ist, dass Rasse wissenschaftlich betrachtet keinen Sinn ergibt, insbesondere nicht vor dem Hintergrund der modernen Genetik. Man mag z. B. den italienischen Genetiker Cavalli-Sforza anführen, dessen studien zum Zusammenhang von genetischen, sprachlichen, entwicklungsgeschichtlichen Daten für Bevölkerungsgruppen gezeigt haben, dass die genetischen Differenzen innerhalb einer menschlichen Gruppe - früher als "Rasse" kategorisiert) - viel bedeutender sind als zwischen diesen Gruppen. Vgl. mein ABC. Aber: Ändert sich was dadurch? Wird nicht länger in solchen Formen kategorisiert?
Neues NRW-Projekt „Mehr Lehrkräfte mit Zuwanderungsbiographie“
Koordination: Dr. Antonietta P. Zeoli (früher Uni Dortmund)
Die Aufgaben des Netzwerks sind unter anderem:
* Information über und Werbung für den Lehrerberuf in Oberstufenklassen oder im Rahmen der Berufsberatungstage an den Studienseminaren im Land NRW,
* Öffentlichkeitsarbeit – wie z.B. Werbung für das Anliegen auf pädagogischen Fachtagungen,
* Beratung und Begleitung von Lehramtsstudierenden oder Referendar/-innen,
* Information von Eltern und Migrantenselbstorganisationen,
* Organisierung von fachlichem Austausch über Erfahrungen im Schulsystem.
Bundesweiter Einbürgerungstest ab 1. September 2008... Sinnvoll? Gute Fragen? Verschaffen Sie sich ein Bild, z. B. hier (taz)

Neue Umfrage der "Gesellschaft für deutsche Sprache": Wie denken Deutsche über ihre Sprache, Dialekte, Fremdsprachen? 65% glauben an einen "Sprachverfall", sogar viele Jüngere.5% sind immer noch gegen die Rechtschreibreform. Welche Einstellungen haben sie etwa zu einzelnen Dialekten? Sächsisch ist weiterhin besonders unbeliebt. 63% sagen, dass sie einigermaßen gut Englisch sprechen und verstehen könnten, 18% Französisch, 9% Niederländisch, 6% Russisch und Spanisch.53% finden, Deutsch sollte (als verbreitetste Sprache in Europa) in der EU eine größere Rolle spielen. Kinder sollten vor allem Englisch (98%), Französisch (48%), Spanisch (32%), Chinesisch (19%!) lernen - leider sind nur 5% für Türkisch, was mit unserer Schulpolititk zusammenhängt.

Privatisierungsreport der GEW
Erfahrungen mit dem Studium in Istanbul bringt Spiegel Online.
Kopftuchverbot an Unis in der Türkei durch das Verfassungsgericht wieder in Kraft gesetzt (5.6.08)!
Zur Vorgeschichte: Constanze Lesch, "Wenn es um Freiheit geht, gibt es keine Ausnahmen", auf Perlentaucher.de
Deutsche-Türkische Universität in Istanbul am 30.5. gegründet!
Mehrsprachigkeit hält länger jung - ergab eine Studie an 800 SenorInnen in Tel Aviv. (Wissenschaft aktuell)
Netz gegen Nazis
Neandertaler doch mit dem Potenzial einer Stimme? So berichtet der New Scientist über Forschungen (und Spekulationen?) von Robert McCarthy
Das "Texas German Dialect Project" untersucht das Deutsch von ins zentrale Texas Eingewanderten und stellt auf seiner Homepage interessante Materialien und Tondokumente bereit.
Globales Englisch lehren? Spiegel-Online Interview mit B. Seidlhofer, Wien,

***Sensationell für Linguisten: The World Atlas of Language Structures online

Aus einer stern-Forsa Umfrage (9/2008):
- Der Frage "Leben Türken gern in Deutschland?" stimmen 78% der "Deutschen" und 79% der befragten "Türken" zu.
- Der Frage "Sollten sich Türken als Teil von Deutschland führen?" stimmen 76% der "Deutschen" und 81% der "Türken" zu.
- "Gibt es Probleme zwischen Deutschen und Türken?": 52% der "Deutschen", aber nur 22 % der "Türken" stimmen zu.
- "Müssen Türken Demokratie und Recht anerkennen?": 96% der "Deutschen", 87 % der "Türken" stimmen zu.

Was Professoren so tun... Ergebnisse einer Umfrage
Die Hertie-Stiftung bietet ein Stipendium für Lehramtsstudierende mit Migrationshintergrund.

Brauchen wir türkische Schulen?

Der türkische Ministerpräsident Erdoğan fordert türkischsprachige Gymnasien und Universitäten in Deutschland, was reflexhaft zurückgewiesen wird. Rein türkische Schulen nutzen allerdings auch eher einer Elite, die ohnehin mehrsprachig ist. Wichtiger wäre, an den lehrerausbildenden Fakultäten der Unis Türkischlehrer auszubilden, um an möglichst vielen Schulen Türkisch als reguläres Schulfach anzubieten. Bislang kann man beinahe von einer Diskrimierung des Türkischen sprechen. Auch andere in Deutschland relevante Sprachen brauchen mehr Angebote. Niemand bestreitet, dass Deutsch so früh wie möglich gefördert werden muss. Zugleich sollte möglichst auch die jeweilige Muttersprache - vor allem in den ersten Schuljahren - unterstützt werden.
mehr dazu...

Plädoyer für eine deutsch-türkische Universität - Gemeinsamer Aufruf von Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth.

Die nunmehr verabredete deutsch-türkische Universität wird zunächst vier Fakultäten umfassen. Man kann in Rechtswissenschaften, Naturwissenschaften, Wirtschafts-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften Bachelor-, Master- oder Doktor-Titel erwerben, die in beiden Staaten anerkannt werden. Zugangsvoraussetzung ist unter anderem ein bestandener Deutsch-Test, der Unterricht wird in Deutsch und Türkisch sein.

Über aktuelle Aspekte der Förderung von Deutsch als Zweitsprache, darunter die Mercatorstiftungs-Initiative, an der auch Dortmund bzw. unser Institut mitwirkt, berichtet die ZEIT.

Neues Bucerius Ph.D. Stipendienprogramm für Migrationsstudien

Kosten mangelnder Förderung beziffert
Die unzureichende Integration von Zuwanderern (mangelnde Sprachkenntnisse etc.) kostet den Staat jährlich schätzungsweise 16 Milliarden Euro. Das zeigte eine Studie des Büros für Arbeits- und Sozialpolitische Studien (BASS) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Es entfallen demnach auf den Bund und die Länder je 3,6 Milliarden Euro pro Jahr., auf die Gemeinden 1,3 Milliarden Euro. Für die Sozialversicherungen fallen 7,8 Milliarden Euro an. Zur Nachricht

Jahr der Geisteswissenschaften 2007

Ein Jahr für die Informatik, ein Jahr für... aber nur ein Jahr für alle Geisteswissenschaften. Ihre Fächer sind noch immer international angesehen, leisten in der Ausbildung viel und kosten wenig. Sogar Einzelne können herausragende Leistungen bringen, z.B. ein bahnbrechendes Buch oder einen revolutionären Aufsatz schreiben. All das gilt aber (mit Absicht?) heute nicht als "exzellent". Exzellent sein können offenbar nur teure Großprojekte - vorzugsweise aus den Natur- oder Technikwissenschaften.

Sehr gute Artikel zu den Geisteswissenschaften hat die Beilage zu "Das Parlament" 46/2007 (November).
Harald Welzer in der ZEIT: "Schluss mit nutzlos..."    Besser ist es in China?
Es gibt keine Krise (Interview Herbert / Bredekamp)
Diskussion"Land der Dichter ohne Denker?"
Essays zum Thema
Th. Steinfeld in der SZ: Helena und ihre Ritter: Was wir nicht mehr wissen werden
Die Macht der Sprache (Goethe-Institut) (schöne Beiträge, z.B. ein Interview mit P. Eisenberg zum "Denglish"
Bodo Zeuners Abschiedsvorlesung: Hochschule Das Programm Selbstverblödung (lesenswert)

Vortrag zum Jahr der Geisteswissenschaften (Münster 20.4.07) Wie viel Grammatik braucht der Mensch - und welche? dazu auch:
>WDR5 / Morgenecho-Interview

Interview Deutschlandfunk (15.11) zur Jahrestagung der Forschungsgruppe "Was ist der Mensch?"

PISA und IGLU - neue Untersuchungen 2007: Nichts Neues unter der Sonne, wann endlich wird umgedacht, wann individuell gefördert (statt ausssortiert), wann kommt Geld ins System, wann werden die Ressourcen der Lehrerausbildung verbessert? Wollen wir uns wirklich die Reduktion der Bildung und des Fachwissens auf basale Kompetenzen leisten? Wer geht an die Paradoxien heran (Kompetenzorientierung versus Fachwissen, G8 bei gleicher Stofffülle, Dreigliedrigkeit vs. Vergleichsstandards, Ausschluss größerer (bildungsfernerer) Gruppen ...

PISA: Beim Leseverständnis und der Mathematik-Kompetenz sind deutsche Schüler/innen weiter im Mittelfeld, verbessert zeigen sie sich in den Naturwissenschaften (Platz 13 - da ist man schon froh...)

IGLU: Bei der Grundschulstudie IGLU belegt Deutschland auch diesmal Rang 11 unter 35 Nationen, die Lesekompetenz erscheint erfreulich.
Grundschulen - so scheint es - FÖRDERN mehr, orientieren sich stärker am einzelnen Kind.

Aber: Migrantenkinder und Kinder unterer Schichten haben weiter große Probleme, fürs Gymnasium empfohlen zu werden!

Hans Brügelmann in der ZEIT vom 19.12.07 (Leserbrief):
Schon vor PISA, 1991-2001, hätten sich die Leseleistungen in der Grundschule im Vergleich zu 2001-2006 überproportional verbessert; die Fixierung auf Testinhalte ab 2001 habe offenbar das Tempo der Verbesserung halbiert, ähnlich sei es in England und in den USA gewesen...

Das Babel-Quiz
Elite?
"Elite", das sind - wenn man das Wort überhaupt benutzen will - allenfalls Personen, herausragende Wissenschaftler, dier es an allen Unis gibt. Bilden Institutionen eine "Elite", erhalten sie Privilegen und drohen im Ruhm zu erstarren. US-Spitzenunis haben keinen solchen Namen.
Unis, die auf Basis eines fragwürdigen Verfahrens 06/07 "Eliteunis" geworden sind: Aachen, FU Berlin, Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe,  Konstanz. Aber: Auch an den Unis, die sich jetzt als Mittelmaß betrachten können, gibt es zahlreiche Spitzenforscher. Bezeiht man die Zahl der Publikationen pro Mitarbeiter ein, bekommt man ein völlig anderes Bild von Exzellenz, das zeigt der Soziologe Richard Münch in seiner bemerkenswerte Analyse der Exzellenzwettbewerbe und der Situation der Hochschulforschung:
Richard Münch (2007) Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. Frankfurt: Suhrkamp
Interview mit Richard Münch in der taz Interview mit Richard Münch im Spiegel
Wissenschaftler am Leipziger Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie (Krause/Pääbo) haben anhand eines Skeletts aus Spanien nachgewiesen, dass auch die Neandertaler das für die sprachliche Artikulation und Feinsteuerung erforderliche Gen FOXP2 aufwiesen.

 

 

 
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