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  Aktuelles aus der Welt der Sprache und Bildung

Letzte Bearbeitung: 27.02.2010

Der DAAD veröffentlichte am 25.2.10 ein begrüßenswertes Memorandum zur Förderung und zum Erhalt des Deutschen als Wissenschaftssprache:

"Wissenschaftssprache wird hier in einem weiten Sinn verstanden als die Sprache der Lehre an den Hochschulen, der Kommunikation zwischen Forschern auf Kongressen und im wissenschaftlichen Alltag sowie die Sprache der Publikationen mit ihrer je spezifischen Terminologie. Die deutsche Wissenschaftssprache ist ein historisch gewachsenes, traditionsreiches und komplexes Gut. Sie stellt eine essentielle Ressource wissenschaftlicher Erkenntnis und Kreativität dar und gewährleistet die Vitalität der Gemeinsprache sowie die Vermittlung wissenschaftlicher Ergebnisse an ein nicht-wissenschaftliches Publikum. (...)

In der Vielzahl unserer Förderprojekte wird täglich deutlich, welche Bereicherung es bedeutet, Deutsch als Wissenschaftssprache zu beherrschen. Die sprachliche Identität des Wissenschaftsstandorts Deutschland zu wahren und weiterzuentwickeln ist auch Aufgabe des DAAD selbst in seiner Rolle als weltweit aktiver Mittlerorganisation. Der DAAD verpflichtet sich daher, in der eigenen Kommunikation nach innen wie nach außen darauf zu achten, dass das Deutsche prioritär und das Englische und weitere Fremdsprachen in Ergänzung verwendet werden. Das Ziel der internationalen Verständigung soll auch hier in einer systematischen Mehrsprachigkeit sichtbar werden."

Veröffentlicht wurde vom DAAD auch die Broschüre „Die deutsche Sprache in der Welt“.

> Zur Aktion des Auswärtigen Amtes "Deutsch - Sprache der Ideen"

21. 2. 2010: Internationaler Tag der Muttersprache der UNESCO: Jeden Tag stirbt eine Sprache aus.

Frisch erschienen: eine ethnographische und linguistische Darstellung von Erfahrungen mit der Kultur der Pirahǎ:
Daniel Everett (2010) Das glücklichste Volk. Sieben Jahre bei den Pirahǎ-Indianern am Amazonas. München: DVA.
Die Sprache Pirahǎ zeigt Besonderheiten in vielen Bereichen: Numerus, Quantoren, Einbettung.... Für Everett ist sie nicht rekursiv; Rekursivität ist für Chomsky das Merkmal, das menschliche Sprachfähigkeit charakterisiert. Das Buch bringt zugleich die Lebensgeschichte von jemand, der als Missionar des evangelikalen "Summer Instituts of Linguistics"ausgezogen ist, den Pirahǎ den christlichen Glauben zu bringen .... und was daraus geworden ist. Zum Pirahǎ auch dieser Aufsatz von Everett. Hier die Homepage von Dan Everett. Näheres zum sprachlichen Relativitätsprinzip in meinem "Kleinen ABC".

Die Sprache Bo ist mit der letzten Sprecherin ausgestorben, berichtet Wissenschaft aktuell. Gesprochen wurde Bo auf den Anadamen im Indischen Ozean, die Sprachfamilie soll auf die Jungsteinzeit zurückgehen. Leider ist vom Bo nicht viel dokumentiert worden (die indische Fortscherin nvita Abbi von der Jawaharlal Nehru University in Delhi hat sich damit befasst) - hoffen wir, dass es anderen kleinen Sprachen besser geht und Feldforscher so viel aufzeichnen, dass das Sysrtem rekonstruierbar bleibt. Wir wissen vergleichsweise wenig darüber, wie  sprachliche Urzustände ausgesehen haben.

Wieder einmal diskutiert: Haben Kinder kognitive Vorteile, wenn das Zahlensystem ihrer Erstsprache einfacher aufgebaut ist? Wenn man im Deutsche zwanzig-eins statt einundzwanzig sagen würde? Was aber würde eine Umstellung bedeuten?
Stottern genetisch? Eine neue Studie hat Belege, dass bei einigen Fällen des Stotterns eine Genmutation zugrunde liegt. Kurzdarstellung auf Wissenschaft Aktuell.
Bewerbungsschreiben: Diskrimierungen aufgrund des (z.B. türkisch erscheinenden) Namens? (Spiegel online)
Der neue Präsident der Kultusministerkonferenz, Ludwig Spaenle (CSU), im Interview der taz zum Schulsystem. Wie sieht er die Zukunft von Jugendlichen mit "Migrationshintergrund"?
Gerichtssprache in Deutschland ist nicht mehr ausschließlich Deutsch? Berichtet die FAZ.

"Aufklärung ist nicht abgeschlossen" - unter diesem Titel findet sich in der taz vom 29.12.09 ein interessantes Interview mit dem Theologen und Menschenrechtler Heiner Bielefeldt zu Fragen des Islam, der Menschenrechte etc.

In Spiegel-Online war am 4.1.10 ein interessantes Interview mit dem Islamwissenschaftler Peter Heine zu "Islam und Gewalt".

Am Gipfel abgestürzt: munter in die Klima- und Bildungskatastrophe
Am 19.12. ist der Internationale Klimagipfel gescheitert. Wie beim deutschen Bildungsgipfel waren die Politiker nicht bereit, sich zu bewegen, auf Kompetente zu hören und für die Zukunft zu sorgen. Den Ländern, die Unterstützung brauchen, sind die Reichen - und für das Desaster vor allem Verantwortlichen - kaum entgegengekommen, viele denken nur innenpolitisch. "Klimakanzlerin", "Bildungsrepublik"? Dazu gehört mehr. Schlagworte waren gestern, schmelzende Gletscher sind Gegenwart.Und dann: Eine Erklärung, die nur zur Kenntnis genommen wird?

Bildungsgipfel am 16.12.2009 - 16 Mrd. mehr, aber die Finanzierung wird erst im Juni 2010 geklärt
Bund und Länder können mal wieder nicht kooperien - Folge der unseligen Bildungszuständigkeit der Länder, die zu immer neuen Blockaden führt. Das ist ein Nullergebnis, denn es bringt Deutschland nicht mal ins Mittelfeld der OECD-Länder, es werden in die Steigerung Ausgaben eingerechnet, die nichts bringen (fiktive Mietkosten von Uni-Gebäuden, private Kita-Beiträge, ermäßigte Mehrwertsteuer für Bücher etc.). Und: Die Steuersenkungen werden den Ländern keinen Spielraum lassen. An den Unis setzten sich die katastrophalen Zustände - bedingt durch Unterfinanzierung - fort, für die Lehre fehlt das Geld und vor allem die Stellen, die Geisteswissenschaften und die Lehrerausbildung werden weiter ausgetrocknet. Dann kommen noch die doppelten Abiturjahrgänge...
Die Unis brauchen: mehr Professoren, bessere Bedingungen und Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, studierbare und gut betreute Studiengänge, mehr Räume, weniger Abhängigkeit von externer Finanzierung und Dominanz der Forschung, neue Wertschätzung klassischer Vermittlungsformen (Publikationen, auch Bücher) und Zugang zur öffentlich finanzierten Wissenschaft für alle (open access) ...
Die Schulen brauchen: mehr und besser ausgebildete, auch auf die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit vorbereitete Lehrer, besser entwickelte Fachdidaktik und bessere fachliche Fundierung, kleine Klassen, individuelle Förderung (statt Aufbewahrung), Integration Behinderter, weniger Ökonomisierung ...
Beide brauchen schlicht: erheblich mehr Geld, erheblich mehr Personal. Und vernünftige Räume.

Antworten auf (viele) ungewöhnliche Fragen an die Wissenschaft bringt eine Seite der Cambridge University: "The Naked Scientists". Darunter z.B. die Frage "Is Grammar Hard-Wired?"

"Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt" (Titel des Magazins brand eins, 11/2009)

Bildungsstreik - war was? Notiz zur Bildungskatastrophe
Nach den stud.Protestaktionen das gewohnte Bild: Vielleicht wird BAFÖG erhöht, geplant ist schon im Koalitionsvertrag ein "Bildungssparen" (analog zum Bausparen. Heißt das: Bezahlt doch Eure Hochschulbildung bald ganz allein? Kein frisches Geld für Stellen und Räume und Sachen in die Unis? Stattdessen: noch mehr Studierende - zumal in die schon lange an vielen Orten überlasteten Geisteswissenschaften. Für die "doppelten Abiturjahrgänge", die schon unter der unzulänglichen G8-Reform leiden mussten, bahnt sich eine schwierige Zeit an. Wenn nichts geschieht. Wenn Steuerleichterungen das Geld der Länder auffressen.

Zur Bildungskatastrophe gehört auch eine akzeptierende Öffentlichkeit. Sowie zur aktuellen Politik, zu den laufenden Kriegen ein willfähriger ("embedded") Journalismus gehört. Ein Beispiel dafür hat die katastrophale Sendung von Anne Will am 29.11. geliefert.

Buchtipp: LE MONDE diplomatique (2009) Atlas der Globalisierung. Berlin: taz
OECD-Studie zeigt Skandal: Kinder von Migranten haben schlechtere Berufschancen als andere. Das gilt besonders auch für Hochqualifizierte. Schaut man auf den Namen in der Bewerbung? Weniger Qualifizierte haben nach der OECD-Studie eher Chancen, insofern sie familiäre Netze nutzen können (Job beim Onkel etc.).  Im öffentlichen Dienst sind nur drei Prozent der 20 bis 29-jährigen Migrantenkinder - sonst jeder zehnte. Quellen: OECD  taz 16.10.09 
"Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch." Das soll nun ins Grundgesetz (Koalitionsverhandlungen CDU - FDP). Nach Zweck und Ziel darf gefragt werden.
Der CDU-Bundesparteitag in Stuttgart hatte bereits einen solchen Zusatz im Artikel 22  des Grundgesetzes beschlossen. Amts- und Gerichtssprache ist Deutsch ohnehin (GVG § 184). Was bedeutet das nun für Mehrsprachige? Was für die Schulen?
"Der CDU-Beschluss ist die Fortsetzung einer aversiven Politik gegen Einwanderer". Und: "Mein Akzent läge darauf, die Mehrsprachigkeit bei allen zu fördern" sagte Gesine Schwan (SPD) (Spiegel Online).
Bachelor - kein Weg in die Arbeitslosigkeit, zeigt eine Kasseler Studie mit 35.000 Absolventen von 48 Unis und Fachhochschulen des Jahrgangs 2007. Wie Magister- oder Dipolnabsolventen brauchten sie ca. 3 Monate, eine Stelle zu finden; 86% erreichten eine volle Stelle. 3/4 blieben an der Uni (Masterstudium), was clever ist, denn der Verdienst ist dann klar höher.
Schon lange bekannt, aber doch interessant, was jetzt wieder herausgefunden wurde: Sprachen, die man als Kind gelernt und später durch Nicht-Gebrauch wieder "vergessen" hat, bleiben zum Teil im Sprachwissen. Ein neues Lernen wird daurch besonders in der Aussprache erleichtert. Meldung
Wahlkampf: Welche Rolle spielt das angebliche "Megathema" Bildung im Wahlkampf, wo ist von Universitäten oder Schulen die Rede? Was lässt das ahnen für die Zeit danach, wenn bezahlt werden muss...
Diskussionswürdig: Harald Welzer, Die Kultur der Achtsamkeit (taz) - kann man mit dem Staat in seiner jetzigen Verfasstheit die Zukunftsprobleme lösen?
Der Erwerb des Schreibens wird derzeit viel diskutiert, auch im Blick auf die Unterrichtsergebnisse in manchen Schulen. Über ein interessantes Konzept, das an ältere Traditionen anschließt, berichtet die taz. Die Besonderheite der Schreibtechnik und -ästhetik werden manchmal - wenn es auf Motivation und Eigenaktivität der Lerner ankommt - vergessen. Daher sollte man einschlägige Modelle ansehen, etwa Andresens Atelier für Unterricht.
Die Oldenburger Pädagogikprofessorin Astrid Kaiser behaptet, Grundschullehrkäfte ließen sich in der Bewertung von den Vornamen der Kinder leiten. Kevin z.B. erzeuge leicht Vorurteile. Interview auf Spiegel-Online. Eigennamen haben m.E eine Bedeutung, sie lösen auch Assoziationen aus. Aber verbindet sich mit ihnen Normalitätswissen <wenn jemand n heißt, ist er zu bestimmten Handlungsweisen disponiert, gehört zur Leistungsklasse K ...>?
Am 21./22. August 2009 beginnt in diesem Jahr der 29-tägige Ramadan, die islamische Fastenzeit. Einen Einstieg in Informationen zum Islam gibt es auch hier.

Unterscheidung belebt - versus unbelebt angeboren?
Dass Belebtes und Unbelebtes - eine wichtige Unterscheidung auch in der Grammatik (z.B. Wortstellung) - in unterschiedlichen Hirnregionen verarbeitet wird, ist länger bekannt. Die Unterscheidung soll sogar angeboren sein und auch bei geburtsblinden Menschen zu finden, so Bradford Mahon von der University of Rochester.

NRW noch ziemlich weit hinten in der Bildung - meint die Initiative Neue soziale Marktwirtschaft (INSM)
Zitat: "Der Anteil der Schüler und Studierenden je Lehrer oder Dozent ist in NRW seit Jahren im Bundesvergleich sehr ungünstig – hat sich aber in den letzten Jahren an den Schulen und Hochschulen verbessert. Trotz positiver Veränderungen in den vergangenen Jahren sind auch die Relationen an den Grundschulen und an weiterführenden Schulen schlechter als im Bundesdurchschnitt. So wurde in den Jahren 2005 bis 2007 die Zahl der Grundschullehrer erhöht, obwohl die Schülerzahlen rückläufig waren. Die schlechtesten Relationen im Bundesländervergleich bestanden an den Hochschulen – auf eine Lehrkraft (Professor, Dozent, Lehrbeauftragter) kamen rechnerisch im Jahr 2007 24,0 Studierende (Bundesdurchschnitt: 15,4). Fünf Jahre zuvor war die Relation mit 29,5 noch deutlich schlechter."
Kommentar: Ich weiß nicht, wie das an den Unis gerechnet wurde, wahrscheinlich wurde das gesamte Personal einbezogen.

NS-Parolen - entschied der BGH (3 StR 228/09) - sind nur formuliert in deutscher Sprache ("Blut und Ehre"), nicht bei Übersetzung etwa ins Englische ("Blood and Honour") strafbar. Als Linguistik kommt man dabei ins Grübeln... Sprachrelativität des Rechts als Grundlage der Rechtstheorie? Konsequenz aus der These der Nicht-Übersetzbarkeit? Bericht in Spiegel-Online

Mädchen türkischer Erstsprache sind nach einer Würzburger Studie (Prof. Reinders) eher selbständiger, selbstbewusster, autonomer als Jungen
In einer Hauptschulstudie( 830 HauptschülerInnen wurden befragt) zeigte sich Folgendes: 77 Prozent (Jungen: 72%) gaben an, ihre Freunde selbst wählen zu wollen. 67 Prozent (59% Jungen) möchten eher Unabhängigkeit von den Eltern. 77 Prozent (Jungen: 62) wollen sich beim Traumberuf nicht von den Eltern bestimmen lassen. 65 Prozent der Jungen (Mädchen: 75%) möchten selbst bestimmen, ob sie an Familienfeiern teilnehmen. Das manifestiere sich vor allem in der Auseiandersetzung mit den Eltern. 85 Prozent der Mädchen (76% Jungen) nehmen sich das Recht auf eigene Meinung heraus. Fazit von Heinz Reinders
"Das Erstaunliche an den Ergebnissen ist die Normalität. Türkische Jungen brauchen ebenso wie deutsche Jungen generell etwas länger, um sich von der Familie zu lösen. Mädchen sind offenbar besser integriert, was ihre Abnabelung leicht zu beschleunigen scheint", so Professor Reinders. Sein Fazit: "Wenn sie denn jemals in der Mehrheit waren, dann sind zurückhaltende türkische Mädchen deutlich seltener anzutreffen als selbstbewusste und gut integrierte junge Türkinnen."
Auch wenn die Studie noch einige Fragen aufwirft, sollte sie vor schneller Etikettierung bewahren.  Die Unterschiede entsprechen denen deutsch-monolingualer Jugendlicher, bei denen auch die Mädchen die Nase etwas vorn haben. Also dem kulturellen Umfeld.

Bekanntermaßen wird das linke und das rechte Seite Sehfeld in der jeweils gegenüberliegenden Gehirnhälfte verarbeitet; ein Mädchen ohne rechte Hirnhälfte kann gleichwohl gut sehen und sich orientieren. Warum ist das so?
Die Schnalzlaute der NJU, es handelt sich um Implosive (einströmende Luft wird unter der Zunge angesaugt), werden mittlerweile in ihrer hochkomplexen Bildung besser verstanden; Ultraschalldarstellungen zeigen die Bildung und die Möglichkeiten, die weltweit einzigartigen Laute zu variieren. Kurztext. Allgemeines zu Khoisan-Sprachen und anhörbare Sounds finden sich auf Seiten von Cornell.
ForumSprache
ist eine neue Online-Fachzeitschrift für das Lehren und Lernen moderner Fremdsprachen.

"Linguamón – Haus der Sprachen ist eine Regierungseinrichtung, die von der Regierung von Katalonien ins Leben gerufen wurde und deren Ziel es ist, die Sprachen der Welt als
• Kommunikations-, Zivilisations- und Dialogmittel
• Quelle der persönlichen Entwicklung, der menschlichen Kreativität und als Menschheitserbe
• Recht der Menschen und der Sprachgemeinschaften zu fördern." Homepage

"Stiftung Mercator übergibt neues Ausbildungsmodul "Deutsch als Zweitsprache" im Bereich der Lehrerausbildung an Ministerin Sommer"
Die Mehrsprachigkeit an Schulen stellt besondere Anforderungen an die Lehrtätigkeit, die in der Lehrerausbildung bislang nicht berücksichtigt werden. Lehramtsstudierende, die im Rahmen des Mercator Projekts "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund" als Förderlehrer tätig sind, fühlen sich durch die Unterrichtspraxis besser auf den Schulalltag vorbereitet. Das belegt die Evaluation des Projekts, das die Stiftung Mercator bundesweit seit 2001 mit 10 Millionen Euro fördert. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Mercator gemeinsam mit Vertretern der Technischen Universität Dortmund [Özdil, Hoffmann], der Universitäten Duisburg/Essen und Köln sowie den jeweiligen Zentren für Lehrerbildung ein Modul für "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ) entwickelt, das neben der wissenschaftlichen Ausbildung auch einen praktischen Anwendungsbereich als Förderlehrer vorsieht. Heute fand die offizielle Übergabe des Moduls durch den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, Dr. Bernhard Lorentz an NRW-Schulministerin Barbara Sommer im Ministerium in Düsseldorf statt. Das Ministerium für Schule und Weiterbildung sowie die Stiftung Mercator werden das Modul jetzt allen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stellen."
Wissen Studenten mehr als Studentinnen? Das besagt ein Test von Spiegel und studivz. Laut Spiegel beantworteten Frauen im Schnitt 21,5 Fragen richtig, Männer hingegen 26,5 Fragen

Vortrag Ludger Hoffmann: "Kommunikative Welten. Vom Potential der Sprache" an der Universität Köln am 28.4.09. Exposé zum Vortrag.

Die Broschurausgabe des "Handbuchs der deutschen Wortarten" ist da (39,95 Euro).
Workshop mit Holger Diesel / Tibor Kiss am 24.4.09 am KWI Essen (FG "Was ist der Mensch")
Buch: R. Pörings/U. Schmitz (Hg.)(1999) Sprache und Sprachwissenschaft, Tübingen: Narr [kognitiver Standpunkt, zu empfehlen] jetzt als kostenloser Download
Hier mal der Hinweis auf einen neuen Lyrikband: Hans Magnus Enzensberger (2009) Rebus. Frankfurt: Suhrkamp. Auch in diesem Band gibt es luftig leichte Texte zu bestaunen, von denen einige Sprache reflektieren (z.B. "Polyglotte Frage auf deutsch"). Lesenswert!

Artikel in der ZEIT: Das Tier, das "Wir" sagt. Michael Tomasello sucht nach der Einzigartigkeit des Menschen. Von Mathias Greffrath

Studieren am St. Johns College: umfassende Bildung - eine Alternative für Deutschland? (Bericht Spiegel Online)

Richard Münch hat schon 2007 die bemerkenswerte, kritische soziologische Studie "Die akademische Elite" (s. unten) vorgelegt. Nun gibt es ein neues Werk, das sich mit der Umgestaltung der Bildung und der Wissenschaft nach ökonomischen Modellen (aus Unis werden "Quasi-Unternehmen") und Management-Rhetorik ("Kernkompetenz", "Qualitätssicherung") befasst: "Globale Eliten, lokale Autoritäten" (2009) Frankfurt: edition suhrkamp. Letztlich werden durch die aktuellen Entwicklungen als Struktur befestigt. "Mit der Exzellenzinitiative steigt also auch Deutschland in den internationalen akademischen Kapitalismus ein." (2009:191)

Seine These zur Bildung unter neoliberalen Vorzeichen: In Schulen und Hochschulen wird Bildung als Kulturwissen und Fachwissen wird auf basale Kompetenzen, Menschen auf Humankapital reduziert, daraus dass das alte Schulsystem an Überkommenem festhält - auch bei G8 - wird der Konflikt auf dem Rücken von Schülern und Lehrern ausgetragen, weite Teile der Unis werden auf Fachhochschuleniveau geracht, die Eliteunis können fröhlich und ressourcenstark forschen...
PS Lieber Herr München, vielleicht ist auch das Wort Elite ersetzbar?

Studie "Nutzung der Mehrsprachigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund – Berufsfelder mit besonderem Potenzial" (Studie von Bernd Meyer)
Mercator-Projekt Sprachförderung: Studie belegt erstmals: Wirksame Sprachförderung durch Lehrer mit Migrationshintergrund
Die Sprache Deutsch: Ausstellung des Deutschen Historischen Museums Berlin, 15.1.-3.5.2009
Ein REFERENZRAHMEN ZUR ALTERSSPEZIFISCHEN SPRACHANEIGNUNG (Ehlich/Bredel/Reich Hg.) ist erschienen und auf der Seite des BMBF zu bestellen oder herunterzuladen.  Dort finden sich auch einige andere wichtige Texte.

Die UNESCO warnt: Mehr als die Häfte aller Sprachen droht auszusterben. Sie stellt einen Atlas bedrohter Sprachen bereit, in dem suchen kann und Daten bekommt, hier ein Beispiel:

atlas bedrohter sprachen

Auch die VW-Stiftung fördert die Dokumentation bedrohter Sprachen. Vor allem in Nord- und Südamerika, in Südostasien, Ozeanien und in Afrika finden sich Sprachen mit nur noch wenigen Sprechern (man schätzt, dass es einige tausend sein sollten, damit die Sprache überlebt); auch in Europa sind schon Sprachen verschwunden und gegenwärtig einige Dialekte wie Friesisch bedroht.

"Unesco-Generaldirektor Koichiro Matsuura sagte anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache in Paris, die Sprache mache die Identität einer Person aus. Wenn sie sterbe, "verschwindet eine Sichtweise, die Welt zu betrachten.“ Der Vorsitzende der Generalsversammlung der Unesco, Musa Bin Jaafar Bin Hassan, forderte, es müsse alles getan werden, damit auch wenig verbreitete Sprachen neben den großen Sprachen dieser Erde existieren könnten. Es sei aber schwierig, sich „der Flut der Globalisierung“ entgegenzustellen, die Englisch und damit der gesamten angelsächsischen Kultur eine dominante Position verleihe (...) Laut Unesco sind im Internet mehr als zwei Drittel aller Websites auf Englisch verfasst. Auf Platz zwei folgt Deutsch mit immerhin sieben Prozent. Französisch, Japanisch und Spanisch kommen dagegen nur auf drei Prozent. Dagegen seien 90 Prozent der 6000 Sprachen weltweit im Internet überhaupt nicht vertreten. Vor allem bei Sprachen, die ausschließlich gesprochen werden, sieht die UNESCO die Gefahr, dass diese über kurz oder lang verschwinden könnten. Dies betrifft der Organisation zufolge ein Fünftel aller Sprachen, davon ein beträchtlicher Teil in Afrika, wo es rund 2000 verschiedene Sprachen gibt.
Die EU-Kommission stellte außerdem das Ergebnis ihrer Umfrage „Die Europäer und ihre Sprachen“ vor. Demnach können sich 56 Prozent der EU-Bürger in einer anderen Sprache als ihrer Muttersprache unterhalten. Der Anteil ist in den vergangenen fünf Jahren um neun Prozentpunkte gestiegen. Die meistgesprochene Fremdsprache ist Englisch, das 38 Prozent aller Europäer zusätzlich zur Muttersprache sprechen. Französisch und Deutsch teilen sich mit jeweils 14 Prozent den zweiten Platz. Berücksichtigt man sowohl die Muttersprache als auch die Fremdsprachenkenntnisse, so wird Deutsch von 32 Prozent aller EU-Bürger gesprochen. Das ist Platz Zwei nach Englisch (51 Prozent) und vor Französisch (26 Prozent)." (tagesschau)

Krise und Migration: Interview mit Migrationsforscher Klaus Bade in der taz

Englisch in der Grundschule sinnlos? Sagt Spiegel-Online. Eine Studie des Ministeriums (April 2009) dazu gibt es hier. Und
Abers wie wäre es mit Erstsprachen der Migration in der Grundschule?

Herkunftssprachen in Schulen als Entwicklungsmotor... das belegt eine aktuelle englische Studie.

Interview mit Chomsky zu Obama im Rheinischen Merkur

Erleichtert Zweisprachigkeit die Integration? Debatte im FAZ-Net

Und: Wie ich Deutsch lernte von Feridum Zaimoǧlu

"Dummschwätzer" nicht strafbar - unter bestimmten Umständen. Bundesverfassungsgericht entscheidet pragmatisch.
Deutscher Schulpreis 2008 für die Wartburg-Grundschule in Münster Gievenbeck! Herzlichen Gückwunsch!
Mit dem "Deutschen Schulpreis" werden seit drei Jahren jedes Jahr die besten deutschen Schulen von der Bosch-Stiftung ausgezeichnet.
2007 wurde der Hauptpreis an die Staatliche Integrierte Gesamtschule in Hildesheim vergeben, 2006 erhielt ihn die Dortmunder Grundschule Kleine Kielstraße.

Zum 80. Geburtstag von Noam Chomsky am 7.12.2008 gratulieren wir! Bei aller Kritik an Universalgrammatik, Ausblendung der Funktionalität von Sprache etc., versteht sich. Aus der Presse:
zur Politik:
taz - standard - frankfurter rundschau - heise
zur Linguistik:
Süddeutsche ZeitungVielleicht möchten Sie eines der vielen Videos im Netz ansehen:
http://www.dailymotion.com/video/x4qx9w ... m_politics

Türkisch an deutschen Schulen!
Cem Özdemir fordert (n. Spiegel-Online), was auch an dieser Stelle oft gefordert wurde: "Deutsch muss für Kinder, die hier leben und aufwachsen, immer die wichtigste Sprache sein. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass Kinder mit Migrationshintergrund ihre Mehrsprachigkeit entfalten können. Warum soll an deutschen Schulen neben Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch nicht auch mehr Türkisch angeboten werden?" Lehrer-Info-Net (bes. zum Türkischen)  Türkisch / Deutsch

Schon wieder Pisa - und keine "Bildungsrepublik" (Kanzlerin Merkel)
Auch hier wurde schon Kritisches über PISA-Studien geäußert; sicher werden sie - auch wenn sie nicht besonders aussagekräftig sind, aufgrund ihrer politischen Bedeutung von den Ländern bald runtergefahren. Warum soll sich die Politik die Ergebnisse ihres Nichtstuns oder ihrer geringen Aktivität immer vorführen lassen? Bisher war das immer noch preiswerter, als wirklich an die Misere heranzugehen. Bildung ist nicht Autoindustrie, Unis und Schulen keine Banken.
Der Potsdamer Mathematik-Didaktiker Thomas Jahnke: "In Deutschland leiden wir unter dem Pisa-Trauma. Man glaubt an die Daten, als kämen sie aus Rom, aber sie kommen aus Kiel". Er stellt fest: "Die Pisaner rechnen Pisa-Punkte in Schuljahre um." Das Niveau sei aber gar nicht gestiegen. Vielmehr würden die Tests geübt, wie schon in anderen Ländern zuvor. "Die Testfähigkeit steigt in dem Maße, in dem Schüler getestet werden." (Jahnke, Süddt. Zeitung)

Yașar Kemal über Literatur und die Welt (Wer YK nicht kennt und die Türkei verstehen will, muss ihn lesen!)
Was sagen uns 4000 Jahre alte Keilschrifttafeln heute? Interview in "Wissenschaft aktuell"
"Das Deutsche Institut für Menschenrechte will den Begriff "Rasse" aus deutschen Rechtsvorschriften streichen", berichtet die taz. Das erscheint sinnvoll, weil seit vielen Jahren klar ist, dass Rasse wissenschaftlich betrachtet keinen Sinn ergibt, insbesondere nicht vor dem Hintergrund der modernen Genetik. Man mag z. B. den italienischen Genetiker Cavalli-Sforza anführen, dessen studien zum Zusammenhang von genetischen, sprachlichen, entwicklungsgeschichtlichen Daten für Bevölkerungsgruppen gezeigt haben, dass die genetischen Differenzen innerhalb einer menschlichen Gruppe - früher als "Rasse" kategorisiert) - viel bedeutender sind als zwischen diesen Gruppen. Vgl. mein ABC. Aber: Ändert sich was dadurch? Wird nicht länger in solchen Formen kategorisiert?
Neues NRW-Projekt „Mehr Lehrkräfte mit Zuwanderungsbiographie“
Koordination: Dr. Antonietta P. Zeoli (früher Uni Dortmund)
Die Aufgaben des Netzwerks sind unter anderem:
* Information über und Werbung für den Lehrerberuf in Oberstufenklassen oder im Rahmen der Berufsberatungstage an den Studienseminaren im Land NRW,
* Öffentlichkeitsarbeit – wie z.B. Werbung für das Anliegen auf pädagogischen Fachtagungen,
* Beratung und Begleitung von Lehramtsstudierenden oder Referendar/-innen,
* Information von Eltern und Migrantenselbstorganisationen,
* Organisierung von fachlichem Austausch über Erfahrungen im Schulsystem.
Bundesweiter Einbürgerungstest ab 1. September 2008... Sinnvoll? Gute Fragen? Verschaffen Sie sich ein Bild, z. B. hier (taz)

Neue Umfrage der "Gesellschaft für deutsche Sprache": Wie denken Deutsche über ihre Sprache, Dialekte, Fremdsprachen? 65% glauben an einen "Sprachverfall", sogar viele Jüngere.5% sind immer noch gegen die Rechtschreibreform. Welche Einstellungen haben sie etwa zu einzelnen Dialekten? Sächsisch ist weiterhin besonders unbeliebt. 63% sagen, dass sie einigermaßen gut Englisch sprechen und verstehen könnten, 18% Französisch, 9% Niederländisch, 6% Russisch und Spanisch.53% finden, Deutsch sollte (als verbreitetste Sprache in Europa) in der EU eine größere Rolle spielen. Kinder sollten vor allem Englisch (98%), Französisch (48%), Spanisch (32%), Chinesisch (19%!) lernen - leider sind nur 5% für Türkisch, was mit unserer Schulpolititk zusammenhängt.

Privatisierungsreport der GEW
Erfahrungen mit dem Studium in Istanbul bringt Spiegel Online.
Kopftuchverbot an Unis in der Türkei durch das Verfassungsgericht wieder in Kraft gesetzt (5.6.08)!
Zur Vorgeschichte: Constanze Lesch, "Wenn es um Freiheit geht, gibt es keine Ausnahmen", auf Perlentaucher.de
Deutsche-Türkische Universität in Istanbul am 30.5. gegründet!
Mehrsprachigkeit hält länger jung - ergab eine Studie an 800 SenorInnen in Tel Aviv. (Wissenschaft aktuell)
Netz gegen Nazis
Neandertaler doch mit dem Potenzial einer Stimme? So berichtet der New Scientist über Forschungen (und Spekulationen?) von Robert McCarthy
Das "Texas German Dialect Project" untersucht das Deutsch von ins zentrale Texas Eingewanderten und stellt auf seiner Homepage interessante Materialien und Tondokumente bereit.
Globales Englisch lehren? Spiegel-Online Interview mit B. Seidlhofer, Wien,

***Sensationell für Linguisten: The World Atlas of Language Structures online

Aus einer stern-Forsa Umfrage (9/2008):
- Der Frage "Leben Türken gern in Deutschland?" stimmen 78% der "Deutschen" und 79% der befragten "Türken" zu.
- Der Frage "Sollten sich Türken als Teil von Deutschland führen?" stimmen 76% der "Deutschen" und 81% der "Türken" zu.
- "Gibt es Probleme zwischen Deutschen und Türken?": 52% der "Deutschen", aber nur 22 % der "Türken" stimmen zu.
- "Müssen Türken Demokratie und Recht anerkennen?": 96% der "Deutschen", 87 % der "Türken" stimmen zu.

Was Professoren so tun... Ergebnisse einer Umfrage
Die Hertie-Stiftung bietet ein Stipendium für Lehramtsstudierende mit Migrationshintergrund.

Brauchen wir türkische Schulen?

Der türkische Ministerpräsident Erdoğan fordert türkischsprachige Gymnasien und Universitäten in Deutschland, was reflexhaft zurückgewiesen wird. Rein türkische Schulen nutzen allerdings auch eher einer Elite, die ohnehin mehrsprachig ist. Wichtiger wäre, an den lehrerausbildenden Fakultäten der Unis Türkischlehrer auszubilden, um an möglichst vielen Schulen Türkisch als reguläres Schulfach anzubieten. Bislang kann man beinahe von einer Diskrimierung des Türkischen sprechen. Auch andere in Deutschland relevante Sprachen brauchen mehr Angebote. Niemand bestreitet, dass Deutsch so früh wie möglich gefördert werden muss. Zugleich sollte möglichst auch die jeweilige Muttersprache - vor allem in den ersten Schuljahren - unterstützt werden.
mehr dazu...

Plädoyer für eine deutsch-türkische Universität - Gemeinsamer Aufruf von Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth.

Die nunmehr verabredete deutsch-türkische Universität wird zunächst vier Fakultäten umfassen. Man kann in Rechtswissenschaften, Naturwissenschaften, Wirtschafts-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften Bachelor-, Master- oder Doktor-Titel erwerben, die in beiden Staaten anerkannt werden. Zugangsvoraussetzung ist unter anderem ein bestandener Deutsch-Test, der Unterricht wird in Deutsch und Türkisch sein.

Über aktuelle Aspekte der Förderung von Deutsch als Zweitsprache, darunter die Mercatorstiftungs-Initiative, an der auch Dortmund bzw. unser Institut mitwirkt, berichtet die ZEIT.

Neues Bucerius Ph.D. Stipendienprogramm für Migrationsstudien

Kosten mangelnder Förderung beziffert
Die unzureichende Integration von Zuwanderern (mangelnde Sprachkenntnisse etc.) kostet den Staat jährlich schätzungsweise 16 Milliarden Euro. Das zeigte eine Studie des Büros für Arbeits- und Sozialpolitische Studien (BASS) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Es entfallen demnach auf den Bund und die Länder je 3,6 Milliarden Euro pro Jahr., auf die Gemeinden 1,3 Milliarden Euro. Für die Sozialversicherungen fallen 7,8 Milliarden Euro an. Zur Nachricht

Jahr der Geisteswissenschaften 2007

Ein Jahr für die Informatik, ein Jahr für... aber nur ein Jahr für alle Geisteswissenschaften. Ihre Fächer sind noch immer international angesehen, leisten in der Ausbildung viel und kosten wenig. Sogar Einzelne können herausragende Leistungen bringen, z.B. ein bahnbrechendes Buch oder einen revolutionären Aufsatz schreiben. All das gilt aber (mit Absicht?) heute nicht als "exzellent". Exzellent sein können offenbar nur teure Großprojekte - vorzugsweise aus den Natur- oder Technikwissenschaften.

Sehr gute Artikel zu den Geisteswissenschaften hat die Beilage zu "Das Parlament" 46/2007 (November).
Harald Welzer in der ZEIT: "Schluss mit nutzlos..."    Besser ist es in China?
Es gibt keine Krise (Interview Herbert / Bredekamp)
Diskussion"Land der Dichter ohne Denker?"
Essays zum Thema
Th. Steinfeld in der SZ: Helena und ihre Ritter: Was wir nicht mehr wissen werden
Die Macht der Sprache (Goethe-Institut) (schöne Beiträge, z.B. ein Interview mit P. Eisenberg zum "Denglish"
Bodo Zeuners Abschiedsvorlesung: Hochschule Das Programm Selbstverblödung (lesenswert)

Vortrag zum Jahr der Geisteswissenschaften (Münster 20.4.07) Wie viel Grammatik braucht der Mensch - und welche? dazu auch:
>WDR5 / Morgenecho-Interview

Interview Deutschlandfunk (15.11) zur Jahrestagung der Forschungsgruppe "Was ist der Mensch?"

PISA und IGLU - neue Untersuchungen 2007: Nichts Neues unter der Sonne, wann endlich wird umgedacht, wann individuell gefördert (statt ausssortiert), wann kommt Geld ins System, wann werden die Ressourcen der Lehrerausbildung verbessert? Wollen wir uns wirklich die Reduktion der Bildung und des Fachwissens auf basale Kompetenzen leisten? Wer geht an die Paradoxien heran (Kompetenzorientierung versus Fachwissen, G8 bei gleicher Stofffülle, Dreigliedrigkeit vs. Vergleichsstandards, Ausschluss größerer (bildungsfernerer) Gruppen ...

PISA: Beim Leseverständnis und der Mathematik-Kompetenz sind deutsche Schüler/innen weiter im Mittelfeld, verbessert zeigen sie sich in den Naturwissenschaften (Platz 13 - da ist man schon froh...)

IGLU: Bei der Grundschulstudie IGLU belegt Deutschland auch diesmal Rang 11 unter 35 Nationen, die Lesekompetenz erscheint erfreulich.
Grundschulen - so scheint es - FÖRDERN mehr, orientieren sich stärker am einzelnen Kind.

Aber: Migrantenkinder und Kinder unterer Schichten haben weiter große Probleme, fürs Gymnasium empfohlen zu werden!

Hans Brügelmann in der ZEIT vom 19.12.07 (Leserbrief):
Schon vor PISA, 1991-2001, hätten sich die Leseleistungen in der Grundschule im Vergleich zu 2001-2006 überproportional verbessert; die Fixierung auf Testinhalte ab 2001 habe offenbar das Tempo der Verbesserung halbiert, ähnlich sei es in England und in den USA gewesen...

Das Babel-Quiz
Elite?
"Elite", das sind - wenn man das Wort überhaupt benutzen will - allenfalls Personen, herausragende Wissenschaftler, dier es an allen Unis gibt. Bilden Institutionen eine "Elite", erhalten sie Privilegen und drohen im Ruhm zu erstarren. US-Spitzenunis haben keinen solchen Namen.
Unis, die auf Basis eines fragwürdigen Verfahrens 06/07 "Eliteunis" geworden sind: Aachen, FU Berlin, Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe,  Konstanz. Aber: Auch an den Unis, die sich jetzt als Mittelmaß betrachten können, gibt es zahlreiche Spitzenforscher. Bezeiht man die Zahl der Publikationen pro Mitarbeiter ein, bekommt man ein völlig anderes Bild von Exzellenz, das zeigt der Soziologe Richard Münch in seiner bemerkenswerte Analyse der Exzellenzwettbewerbe und der Situation der Hochschulforschung:
Richard Münch (2007) Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. Frankfurt: Suhrkamp
Interview mit Richard Münch in der taz Interview mit Richard Münch im Spiegel
Wissenschaftler am Leipziger Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie (Krause/Pääbo) haben anhand eines Skeletts aus Spanien nachgewiesen, dass auch die Neandertaler das für die sprachliche Artikulation und Feinsteuerung erforderliche Gen FOXP2 aufwiesen.

 

 
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