Pragmatische Textanalyse
Abfolgeschema |
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1. Fragestellung und Zugang
1.1. Entstehen und Explikation der Fragestellung als wissenschaftlicher
1.2. Materialerhebung gemäß Frage und wissenschaftlichen Standards
1.3. Materialauswahl (thematisch und methodisch bestimmt)
1.4. Materialpräparierung (Rede: Transkription; Herstellen eines Arbeitsexemplars
2. Vorgreifende Situationsanalyse und Hypothesenbildung
2.1. Äußerer Anlass, Verfasser(in)/Adressaten/innen: Lebenslauf,
Beruf,
Funktion, Schriften, Position...
2.2. Formale Eigenschaften des Textes: Druck, Layout, Schriftarten...
2.3. Historische Ausgangssituation, Umfeld,...
2.4. Intertextualität: Gesellschaftl. Themen, Problemlagen und Diskussionsstände
2.5. Rezeption: Wirkungen, Wirkungsgeschichte des Textes...
2.6. Ausbildung eines vorläufigen Verstehenshorizonts für den Textsinn
3. Paraphrasierende Ablaufbeschreibung
3.1. Inhaltliche Organisation: Verdeutlichung der Gegenstände und thematischen Übergänge
3.2. Gliederung
3.3. Inhaltliche Abfolge
3.4. Annahmen zur Handlungsstruktur und Handlungsverkettung
(mit Segmentierung)
4. Analyse der sprachlichen Oberfläche im Blick auf die Handlungsstruktur
4.1. Mikroanalyse:
4.1.1. Autor(en)bezug (Autor(gruppen)deixis (ich, wir)
4.1.2. Adressatenbezug (Adressatendeixis du/sie/ihr)
4.1.3. Sammlung und Untersuchung der Symbolfeldausdrücke (Substantiv-, Adjektiv-,
Verbstämme):
- Bedeutungspotential und aktuelle Bedeutung
- Zusammenhang in der Wissenstruktur und in Bedeutungsfeldern (Natur, Wetter,
Krieg etc.)
- Ausdrücke, Wertungen, Ideologeme; Anspielungen (historisch/ aktuell) für
best. Rezipientengruppen
- Welches Wissen manifestieren sie, welches setzen sie voraus („Fährenfunktion“, „Fähren
ins Bewusstsein“ (Maas) (Ankoppeln an spezif. Wissen aus anderen Bereichen)
- Wie kategorisieren sie die Wirklichkeit?
- Metaphern, 'Kollektivsymbole'
- Fachwörter, Fremdwörter und ihre Funktionalität
4.2. Inhaltsorganisation und Gewichtung
4.2.1. Referenzketten: Themafortführung als
- nominale Fortführung (ein Mann - der Mann - der Hausmeister...)
- phorische Fortführung (die Frau...sie)
- anadeiktische Fortführung (die Frau...die; sie prügelten sich...das)
4.2.2. Themenentwicklung (er...sie.....das Paar; Claudia...ihre Freundin/ihre
Tasche/ihre Schule)
4.2.3. Gewichtung (Relevanzmarkierung, Kontrastierung etc. durch Wortstellung,
graphische Mittel...
4.3. Syntaktische Struktur (ausgewählte Aspekte)
4.3.1. Aufbau der Phrasen: Integrative Prozeduren
4.3.2. Aufbau einer zweiten syntaktischen Stufe: Installationen (z.B. Parenthesen)
4.3.3. Konnexion: Koordination (einschl. Juxtaposition), interne Mittel wie
Konnektivpartikeln
4.3.4. Syntaktische Planungsprozesse: Ellipsen, Anakoluthe (Abbrüche, Ausstiege,
Retraktionen)
4.3.5. Tempus und Tempuswechsel (Prät-Präs)
4.3.6. Modalitäten: Modalverben, Modalpartikeln (leider), modale Adj. (angeblich)
4.3.7. Illokution, Satzsynthese und Satzarten (Fragesätze, Aufforderungssätze
etc.)
4.4 Handlungsrealisierungen: stilistische Charakteristika
4.4.1. Rhetorische Figuren (Parallelismus, Steigerung, Wiederholung etc.)
4.4.2. Merkmale von Gruppenstilen
4.5. Sprachlich manifeste Wissensformen (Einschätzungen, Sentenzen, sog.
'Stereotype' etc.)
5. Analyse der Handlungsstruktur/illokutiven Struktur
5.1. Rekonstruktion der situativen Konstellation (Problemfeld, Ausgangsdefizit,
das zu bearbeiten ist...) in ihrer Komplexität
5.2. Struktur des Gesagten (Propositionale Gehalte, Zusammenfassung)
5.3. Form-Funktionszusammenhang (Prozeduren, Akte, Sprechhandlungen, Muster):
illokutive Analyse, Herausarbeiten von Diskurs-/Textart
6. Analyse von Botschaft und Sinn der Inszenierung
6.1. Rückbindung der Einzelanalysen zu Form und Funktion an das Gesamtverständnis
6.2. Adressierung und Rezeption (Mehrfachadressierung und Mehrfachinterpretierbarkeit,
faktische Wirkungen etc.)
6.3. Strategien, taktische Gebräuche, Widersprüche und konkurrierende
Interpretationen im historischen Rahmen
6.4. Oberflächenbotschaft und Sinn
7. Zusammenfassende Interpretation
8. Erarbeitung einer Darstellung
8.1. Fragestellung und Forschungsbezug
8.2. Materialauswahl und Präsentation
8.3. Situationsanalyse (2.1.-2.3.)
8.4. Sprachliche Oberfläche (4.1.3., 4.3.,4.4.)
8.5. Textgliederung, thematische Struktur und Gewichtung (3.,4.1.1.-4.1.2.,
4.2.)
8.6. Handlungsstruktur und Sinn des Textes (5.-6.)
8.7. Zusammenfassende Interpretation (Kategorisierung, Vergleiche, Konsequenzen,
Weiterungen, Ausblick etc.) (7.)
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Dieses Schema ist angewandt in:
Ludger Hoffmann (2001)
Pragmatische Textanalyse. An einem Beispiel aus dem Alltag des Nationalsozialismus.
In:
D. Möhn/D.
Roß/M.
Tjarks-Sobhani (eds.), Mediensprache und Medienlinguistik. Frankfurt:
Lang, 283-31
Ein weiteres Verfahrensschema
ist stärker
auf die Analyse poetischer Texte zugeschnitten. Dazu gibt
es eine sehr einfache Version, die für
die Schule gedacht ist.